Mittwoch, 18. Dezember 2013

Algerien - Pilgerreise nach El Abiodh Sidi Cheikh in UNESCO Welterbe aufgenommen

Pilgerreise zum Mausoleum von Sidi Abd el-Qader Ben Mohammed (El Abiodh Sidi Cheikh). 

Ende Juni jeden Jahres unternehmen Sufi-Gemeinschaften eine dreitägige Pilgerreise zum Mausoleum von Sidi Abd el-Qader Ben Mohammed in Sidi Cheikh in den Haute Plateaux. Die Pilgerreise stärkt die friedlichen Beziehungen unter den Sufi-Bruderschaften. Zudem fördert sie die Werte und die gemeinsamen Praktiken der Gemeinschaften, wie beispielsweise Gastfreundschaft, säkulare Gesänge und Tänze sowie Koranrezitationen. Ergänzend zu den Gebeten und Ritualen der Pilgerreise finden Festlichkeiten mit Fechten, Reitwettbewerben und Tänzen statt. (Quelle: UNESCO.de)



Video auf Französisch

weitere Informationen unter www.UNESCO.de

Imzad-Musik der Tuareg in UNESCO aufgenommen

In die im Dezember 2013 veröffentlichten "Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes"  ist die Musik der Tuareg aufgenommen worden.

Algerien, Mali, Niger: Imzad-Musik der Tuareg-Gemeinschaften. Die für die afrikanischen Tuareg-Gemeinschaften charakteristische Musik wird von Frauen auf dem Streichinstrument Imzad gespielt. Es wird zur melodischen Begleitung von poetischen oder populären Liedern verwendet, die zu zeremoniellen Anlässen von Tuareg-Männern gesungen werden. Der Klang der Imzad soll böse Geister vertreiben und die Schmerzen von Kranken lindern. Das musikalische Wissen wird traditionell durch mündliche Unterweisungen, Beobachten und Nachahmen überliefert. (Quelle: Unesco Deutschland)

 


Video auf französisch

weitere Info: www.UNESCO.de

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Algerisches Generalkonsulat ab Januar in Frankfurt

Märtyrerdenkmal in Algier
Algerisches Generalkonsulat zieht nach Frankfurt um

Das algerische Generalkonsulat zieht am 15. Dezember von Bonn nach Frankfurt um. Die letzte Möglichkeit im Dezember ein Visum zu beantragen ist am heutigen Mittwoch, 11. Dezember. Die genaue Adresse ist noch nicht bekannt gegeben. Anfang Januar 2014 können Visaanträge in Frankfurt bearbeitet werden.







Foto: B.Agada




Donnerstag, 28. November 2013

LIBYEN: Überwachung der Südgrenzen unterbindet Warenhandel und erhöht Verarmung der lokalen Bevölkerung

Zur Überwachung der südlichen Grenzen Libyens liefert der italienische Rüstungskonzern Selex ES Satellitentechnik für den Antiterror-Kampf und Europas Flüchtlingsabwehr. Dies schürt neue Probleme in der Sahara.

Mit scharfer Kritik hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die Ankündigung des libyschen Verteidigungsministers Abdullah Al-Thinni reagiert, die Südgrenze Libyens werde vom Jahresende 2014 an satellitengestützt überwacht. „Eine systematische Abriegelung der Grenzen Libyens durch satellitengestützte Überwachungssysteme wird katastrophale Folgen für die traditionellen Bewohner der Sahara haben“, warnte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Die Sahara ist immer ein Handelsplatz für den Austausch von Waren zwischen Nord und Süd gewesen. Wer diesen Handel unterbindet, schürt die Verarmung von Tuareg, Toubou, Berbern, Arabern und anderen Bevölkerungsgruppen und treibt sie somit in die Arme radikaler Islamisten.“

Bei seinem Italien-Besuch am Mittwoch hatte Al-Thinni erklärt, das italienische Rüstungsunternehmen Selex ES sei beauftragt worden, eine satellitengestützte Überwachung der Südgrenze Libyens zu erstellen. Das Projekt soll im Dezember 2013 beginnen und bis zum Jahresende 2014 abgeschlossen werden. Selex ES ist Teil der in Italien führenden Industrie-Holding Finmeccanica, an der der italienische Staat zu 30 Prozent beteiligt ist. Als ehemalige Kolonialmacht Libyens, die noch immer bedeutende Wirtschaftsinteressen in dem nordafrikanischen Staat besitzt, will Italien darüber hinaus 3.000 libysche Soldaten zur Grenzsicherung ausbilden. Die italienische Außenministerin Emma Bonino hat in den vergangenen Wochen vor Anarchie in Libyen und vor einem Eindringen von Islamisten gewarnt und eine bessere Grenzsicherung gefordert, um den Menschenhandel mit Flüchtlingen aus West- und Ostafrika zu unterbinden.

„Dieses Projekt ignoriert nicht nur die Bedürfnisse der Menschen in der Sahara, sondern ist auch kurzsichtig und nicht Erfolg versprechend“, kritisierte Delius. „Denn so können die Menschen- und Drogenhändler nicht wirksam gestoppt werden. Sie werden nur höhere Preise verlangen, weil sie den Zöllnern mehr Bestechungsgelder zahlen müssen. Der umstrittene Schmuggel wird von Kartellen organisiert, die in allen Sahara-Staaten über beste Beziehungen zu den Regierungen verfügen.“ Doch die kleinen Händler, die Salz, Nudeln und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs verkaufen und so 90 Prozent des Warenstroms ausmachen, werden ihr Gewerbe stark einschränken müssen. Für sie bleiben die von den Kolonialmächten willkürlich gezogenen Grenzen künstlich, weil sie ihre Siedlungsgebiete durchschneiden und Jahrzehnte lang keine Bedeutung hatten.

„Europas Flüchtlingspolitik darf den Menschen in der Sahara nicht die Lebensgrundlage entziehen“, erklärte Delius. „Wer Grenzen für Kleinhändler unpassierbar macht, muss den Betroffenen alternative Arbeitsmöglichkeiten verschaffen. Ansonsten schürt Europa mehr Probleme, als sie tatsächlich zu lösen.“
 
Weitere Informationen gibt

Ulrich Delius unter Tel. 0160 / 95671403
Gesellschaft für bedrohte Völker www.GfbV.de


Mittwoch, 2. Oktober 2013

2. EMA-Forum für den Maghreb

EMA e.V.
2. EMA-Forum für den Maghreb 

Der Verein Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development e.V. (EMA) lädt am 26. November 2013 Mitglieder und interessierte Unternehmer zum zweiten Forum für alle Maghrebländer in Berlin ein.

Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien stehen in der Hamburger Landesvertretung zu Berlin im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Teilnehmer treffen auf zahlreiche Unternehmer und Schlüsselfiguren dieser Länder und reihen sich in den Erfolg der Erstveranstaltung ein:  Neben Geschäftsabschlüssen konnten insbesondere wertvolle Partnerschaften für gemeinsame PPP-Vorhaben geknüpft werden! Das erste EMA-Forum für den Maghreb fand im Oktober 2011 statt. Dabei wurde die Frage erörtert, wie sich die Maghrebregion wirtschaftlich behaupten wird und wie sich Deutschlands Wirtschaft zukünftig mit der Region vernetzt.

Mit diesem einzigartigen Forum für sämtliche Länder der Maghrebregion hat die EMA einen Meilenstein für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Marokko, Mauretanien, Algerien, Tunesien und Libyen geschaffen.

Dabei verfügen nicht nur die durch die Umbrüche besonders stark im Wandel befindlichen Länder Tunesien und Libyen über sehr enge Beziehungen zu Deutschland, sondern vielmehr lässt sich in der gesamten Region ein Streben nach einer vertieften deutsch-arabischen Wirtschaftskooperation vermerken. Während Marokko sich durch steigende Wachstumszahlen auszeichnet, verfügt Algerien über eine starke Wirtschaft und investiert zunehmend in neue Energiebereiche. Auch das bislang wenig beachtete Potential Mauretaniens bietet vielversprechende Möglichkeiten.

Mit namhaften Teilnehmern aus dem Maghreb und Deutschland werden die aktuellen Herausforderungen der Region diskutiert, sowie das Potential für das Engagement deutscher Unternehmen und Projekte vor Ort erörtert. Die regionale Wirtschaftskooperation, welche maßgeblich zur Entwicklung der Region beiträgt, steht erneut im Fokus dieser Veranstaltung.

Das Forum zeichnet sich durch seine Interdisziplinarität aus, welche eine optimale Plattform zur Vernetzung bietet, und zudem sämtliche für die Region relevante Themen anspricht: Umwelt, Erneuerbare Energien, Logistik, Infrastruktur und Bildung.

Unter anderem stehen folgende Programmpunkte auf der Agenda:
Regionale Integration als Attraktivitätsträger für Ausländische Direktinvestitionen,
Zukunftsbereiche der deutsch-maghrebinischen Zusammenarbeit: Umwelt, Erneuerbare Energien, Logistik, Infrastruktur und Bildung. Der Abend klingt mit einem Galadiner aus.

Das EMA-Forum für den Maghreb
Gemeinsame Potentiale für eine starke Wirtschaftsregion
26. November 2013 von 09.30 bis 19.30 Uhr
Landesvertretung Hamburg, Jägerstraße 1, 10117 Berlin
(deutsch-französisch mit Simultanübersetzung)

Für weitere Informationen stehen Ihnen die Ansprechpartnerinnen Clara Gruitrooy und Pauline Raux-Defossez zur Verfügung:
Clara Gruitrooy: c.gruitrooy@ema-germany.org
Pauline Raux-Defossez: p.raux-defossez@ema-germany.org
Tel. 040 609 455 430

EMA - Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development e.V.
Hauptziel des Vereins ist die Förderung und Vertiefung der Kooperation zwischen Deutschland und den Staaten, die als Partner der EU im Rahmen der Euro-Mediterranen Partnerschaft gelten, wie auch den übrigen arabischen Staaten. Besonderes Gewicht wird auf die folgenden Bereiche gelegt:

1.      Förderung des Austausches zwischen Deutschland und den Zielländern in den Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung, Kunst, Aus- und Weiterbildung.
2.      Intensivierung der ökonomischen Kooperationen im Rahmen gegenseitiger Entwicklungszusammenarbeit und -hilfe.
3.      Förderung globaler Gesinnung, demokratischer Bestrebungen und humanitärer Aktivitäten zum gegenseitigen Austausch und friedlichen Miteinander, besonders hinsichtlich der verschiedenen Kulturkreise;
4.      Förderung der Toleranz auf allen Gebieten im Sinne des Gedankens der allgemeinen Völkerverständigung;

Der Bedeutung des wechselseitigen kulturellen Verständnisses bezüglich der Verwirklichung der Zwecke des Vereins wird nachhaltige Aufmerksamkeit gewidmet.

EMA - Euro-Mediterranean Association
for Cooperation and Development e.V.

Deichstr.
19
20459 Hamburg
 
Tel.: 040 - 609 455 4-30
Fax: 040 - 609 455 4-39
www.ema-germany.org


Montag, 22. Juli 2013

Mali und die Tuareg

Vom 13.September bis 25. Oktober 2013 zeigt das Institut Français in Mainz die Bilderausstellung „Mali und die Tuareg“ 
  
Copyright Ferhat Bouda
Der Fotograf Ferhat Bouda stammt aus der Kabylei in Algerien und lebt in Frankfurt/Main. 

2012 bereiste er den Norden Malis und dokumentierte die Situation der dort lebenden Tuareg. Er wurde mit seinen Bildern quasi über Nacht berühmt, als Der Spiegel, Die Welt, El Watan und andere, beim Eingreifen der französischen Armee auf seine Bilder zurückgriffen.

Ferhat Bouda fühlt sich von den Minderheiten in anderen Ländern angezogen, besuchte die Berber in seiner Heimat Kabylei und in Libyen und reiste unter anderem in die Mongolei und zu den Tuareg nach Mali, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.   

Als junger Mann setzte er sich schon für die Anerkennung der Berbersprachen in Algerien ein,  er begann in Paris mit dem Studium des Films und der Fotografie, damit, wie er sagt „seine Großmutter Filme in der Berbersprache anschauen und verstehen kann“, bevor er 2005 nach Frankfurt umzog.

2007 wurde das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt am Frankfurt/Main auf seine Arbeiten aufmerksam und engagierte ihn für die jährlich erscheinenden Kalender „Feste der Völker“ (2008 bis 2010), die die über 170 verschiedenen Nationalitäten zeigen, die in Frankfurt leben und dort ihre Feste feiern. 2012 erschien das Buch „Feste der Welt - Welt der Feste“ mit seinen Aufnahmen. Seit 2010 arbeitet Ferhat Bouda für die deutsche Presseagentur (dpa).

Ferhat Bouda ist bei der Vernissage am 13. September um 19 Uhr anwesend.

Der Bayreuther Ethnologe Prof. Georg Klute wird dabei über die Tuareg und ihre historische und gegenwärtige Lage im Mali berichten.

Institut Français de Mayence im Palais Schönborn
Schillerstraße 11
55116 Mainz

Ausstellung:   13.09. bis 25. 10. 2013
Informationen: Tel: 06131-28 22 914

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9.30 - 13.00 Uhr und 14.30 - 18.00 Uhr Eintritt frei

InternetMali und die Tuareg 

Dazu die Internetseite des Fotografen Ferhat Bouda

 
Das Institut Français Deutschland wurde 2009 geschaffen und ist der Dachverband der französischen bzw. deutsch-französischen Kultureinrichtungen in ganz Deutschland. Der Leiter dieses Dachverbands ist zugleich auch Leiter der Kulturabteilung der Französischen Botschaft. In Deutschland gibt es bundesweit 11  Instituts Français und 10 Deutsch-Französische Institute, darunter in Mainz und Erlangen.  Das ganze Jahr über bietet das Institut Français Deutschland ein umfangreiches und hochwertiges Kulturprogramm. Im Rahmen von Vorträgen, Debatten, Lesungen, Konzerten, Film-und Theatervorführungen, Ausstellungen usw. vermittelt es bundesweit die französische Kultur.

Das Institut Français Mainz besteht seit über 60 Jahren und befindet sich mitten in der Stadt im Palais Schönborn, einem Haus im Barockstil. 1942 wurde das Gebäude teilweise zerstört und mit französischer Hilfe wieder aufgebaut. Das kulturelle Programm des Institut Français/Maison de France wird in enger Kooperation mit den institutionellen und kulturellen Partnern (Johannes Gutenberg Universität, Stadt Mainz, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, CinéMayence…) organisiert, die der französischen und frankophonen Kultur sehr zugewandt sind.  

Institut Français Mainz
Palais Schönborn
Schillerstraße 11
55116 Mainz


In Erlangen ist das Deutsch-Französische Institut (dFi) zu einem festen Bestandteil des Kulturlebens der Stadt geworden. Seit 2001 werden hier Französischkurse für alle angeboten. Ergänzt wird das kulturelle Angebot durch Filme in Originalsprache, Auftritte von französischen oder französischsprachigen Musikgruppen, Theaterstücke,   Diskussionsrunden zu aktuellen Themen,  Workshops mit Jugendautoren und literarische Begegnungen, weiterhin die Teilnahme an großen regionalen Veranstaltungen wie dem Comicsalon, dem Internationalen Figurentheaterfestival, oder auch dem Bardentreffen.

Deutsch-Französisches Institut
Südliche Stadtmauerstr. 28
91054 Erlangen
Telefon 09131 / 97 91 37-0
 team@dfi-erlangen.de

Birgit Agada


Donnerstag, 18. Juli 2013

Wenn die Urlaubsliebe nach Hause kommt

Mit arabischen Grüßen
Sommer, Sonne, Meer - Urlaub. Silke will so richtig die Seele baumeln lassen und die freien Tage genießen. Abschalten vom Stress der Arbeit im Büro. Sie entschließt sich für eine Reise nach Tunesien. Silke ist mal wieder Single, da kann ein kurzer Urlaubsflirt nicht schaden.


Das Hotel liegt direkt am Strand, es sind wenig andere Urlauber hier, die Hotelangestellten bewirten und betreuen Silke wie einen Star. Sie fühlt sich wohl und Komplimente hört jede Frau gern.

Samir kommt besonders oft an ihren Tisch. Er schenkt ihr immer frische Blumen, ihr Zimmer duftet schon herrlich nach Jasmin, Rosen und Henna. Am Abend lädt Samir Silke zu einem Fest im nahegelegenen Dorf ein. Das Orangenblütenfest ist eine gute Gelegenheit, die einheimische Kultur kennenzulernen. Man kommt sich näher, die Band spielt fetzige arabische Klänge zum Mittanzen. Silke fühlt sich pudelwohl und genießt den Abend. Plötzlich liegt sie in Samirs Armen, der mit ihr in den siebten Himmel zu tanzen scheint. „Du bist meine Jasminblüte“, flüstert er in ihr Ohr. Dann bringt er Silke ins Hotel zurück und verabschiedet sich von ihr. Am nächsten Tag lädt er Silke zu einem Ausflug in die Dünen ein…

Große Liebe im Urlaub finden

So oder so ähnlich beginnen viele Urlaubslieben. Oft bleibt es beim Flirt, manchmal wird die vermeintlich große Liebe daraus. Dann fliegen Frauen wie Silke, so oft sie können, nach Tunesien, Kenya, Marokko und in andere „exotische“ Länder. Sie sind von der fremden Kultur fasziniert und die Männer dort verstehen sich aufs „Komplimente verteilen“, während deutsche Männer zunehmend nur den Beruf, Fußball und Fernsehen im Kopf haben und ihre Frauen als bessere Haushälterin abfertigen.

Urlauberinnen sind Ziel von Bezness

Doch die Männer haben ein bestimmtes Ziel: Bezness (Geschäft). Sie wollen nach Europa kommen, um eine oder eine bessere Arbeit zu finden. Da es auf normalem Weg immer schwieriger wird, ein Visum bzw. eine Arbeitsgenehmigung offiziell zu erhalten, und ihre Kollegen, die es „geschafft“ haben, mit ihrem „erarbeiteten Wohlstand“ angeben, probieren sie es über den Umweg des Urlaubsflirts ihr Land zu verlassen. Die europäische Frau hat genug Geld, um sie alle paar Monate zu besuchen und ihnen Geschenke aus Europa mitzubringen, denken sie. Da wird es wohl auch für die „Samirs“ Möglichkeiten in Europa geben, Geld für ihre Familien zu verdienen.

Er tut alles für Sie (und sein Ziel)

Wenn dann die Urlaubsliebe ihre Adresse herausgibt, ihn womöglich noch einlädt oder sogar heiratet, dann haben sich seine Bemühungen gelohnt, hofft er und tut alles für sie. Die Frau träumt noch von der großen Liebe, auch wenn die Anzeichen des „Ausgenutztwerdens“ immer deutlicher werden.

Es fehlt das Interesse Land und Leute wirklich kennen zu lernen

Inzwischen ist Samir bei Silke eingezogen und auf die große Liebe folgt der Alltag. Silke hat sich vor dem Urlaub nicht über Land und Leute und ihre Kultur informiert, sie weiß nichts über die Sitten und Gebräuche in Tunesien. Samir weiß zu wenig von Silke und dem schwierigen Leben in Deutschland und eine gut bezahlte Arbeit findet er auch nicht. Der Frust auf beiden Seiten wird groß. Aus dem Urlaubsflirt ist Urlaubsfrust geworden. Wie soll es weitergehen?

Samirs Hoffnung auf ein besseres Leben in Silkes Heimat ist vergangen, Silkes Hoffnung auf die große Liebe mit Samir ist verblasst. Das fehlende Interesse, die jeweils andere Kultur wirklich kennen lernen zu wollen, die Wahrheit dahinter, das sind Themen der Bücher des Tunesiers Amor Ben Hamida. Er ist in der Schweiz in einem Kinderheim aufgewachsen und kennt beide Seiten, die Hoffnung der tunesischen Männer und die Schweizer und europäischen Frauen und ihre Träume. Seine Bücher dienen der Aufklärung und zeigen auch die Gedanken der Männer deutlich.

Sie können die überaus interessanten und wissenswerten Bücher von Amor Ben Hamida bei AFARA - Bücher aus Afrika, Maghreb undArabien bestellen. 

Autorin: Birgit Agada




Montag, 15. Juli 2013

Tlemcen, Stadt der Kunst und Geschichte in Westalgerien

Blick auf Tlemcen vom
Hausberg Lalla Setti 
Bei seinem Antrittsbesuch im Dezember 2012 in Algerien, besuchte der jetzige französische Präsident Francois Hollande, neben der Hauptstadt Algier auch Tlemcen. Die Blütezeit erlebte Tlemcen zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Die Stadt war das Pendant zur marokkanischen Stadt Fes und zur andalusischen Metropole Granada und erhielt Beinamen wie „Perle des Maghreb“ oder „Granada Afrikas“.
Von hier stammt der algerische Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika. Bevor Tlemcen 2011 Hauptstadt der islamischen Kultur wurde, eröffnete der Präsident eine Seilbahn, die das Stadtzentrum mit dem Aussichtsberg Lalla Setti und dem neuen Hotel Renaissance verbindet. Zahlreiche Renovierungsarbeiten wurden abgeschlossen und Tlemcens Stadtbild erstrahlt in neuem Glanz.

Obstgarten der Römer         

Tilimsin (Tala imsan) bedeutet in der Sprache der Tamazirt (Berber) Quellen und weist auf die fruchtbare Landschaft hin, die Römer nannten es Pomaria (Obstgarten). Seit der Steinzeit besiedelt,  hinterließen alle Epochen über die großen Berberdynastien  bis zu den Osmanen und Franzosen ihre Spuren.
Strategisch wichtig liegt Tlemcen auf etwa 600 Metern Höhe, umgeben von Hügeln des Plateaus der Lalla Setti (bis 1000 m), an der Kreuzung  von Karawanenwegen, die die Mittelmeerküste im Norden mit dem alten Sidjilmassa (Ostmarokko) und Mali im Süden und, zu seiner Blütezeit vielleicht noch wichtiger, den Osten Algeriens, Tunesiens und der arabischen Länder mit Marokko und dem ehemals berberisch-arabischen Andalusien im Westen verbanden.
Nicht nur als Handelsplatz hatte Tlemcen eine wichtige Funktion, es wurden auch eigene Waren produziert, vor allem Obst (Kirschen), Gemüse und Oliven gedeihen hier prächtig. Darüber hinaus entwickelte sich Tlemcen zu einer Stadt geistigen, religiösen und kulturellen Denkens, in der sich Wissenschaftler, Sufis, aber auch Handwerker und Künstler niederließen.

Die großen Berberdynastien gaben sich in Tlemcen die Ehre

Zur Zeit der arabischen Einwanderungen wurde Tlemcen für die Idrissiden (um 790) ein geeigneter Ort, um Vorratsspeicher anzulegen und so hieß die Siedlung zuerst Agadir.
Die Ermordung eines Oberhauptes der Zenata-Berber Beni Ifren durch die arabischen Fatimiden provozierte einen Aufstand und die Fatimiden konnten 955 erfolgreich verjagt werden. Das Ende der Beni Ifren kam durch die Murabitun-Berber (Almoraviden) um 1088, die etwas weiter westlich die Stadt neu gründeten und sie Tagrart nannten. Während dieser Zeit vergrößerte sich Tagrart und schloss Agadir ein. Der Name Tilimsan (Quellen) wurde zum ersten Mal erwähnt. Die große Moschee aus dem 11. Jahrhundert, im 13. Jahrhundert erweitert, ist ein Juwel der berberisch-maurischen Architektur.
Nachfolger wurden im 12. Jahrhundert die Muwahhidun-Berber (Almohaden), die beide Städte befestigten, die Noblen wohnten in Tagrart, die einfache Bevölkerung blieb in Agadir. Schutzmauern umschlossen Paläste, Karawanserails und Gärten. In Tilimsan wurden die Münzen des Reiches geprägt. Die Muwahhidun errichteten einen Hafen in Honaine, der die Entwicklung des Handels zwischen Afrika und dem Mittelmeer förderte.

1235 wurde Tilimsan wieder von Berbern unter Yghomracen Ibn Zyan erobert, der zur Gruppe der Zenata-Abdelwadiden gehörte. Fortan wurde nur noch berberisch gesprochen, denn der König der Ziyaniden (nach Zyan), sprach kein Wort arabisch und regierte bis zu seinem Tod knapp fünfzig Jahre. 
Inzwischen hatten die Meriniden die Muwahiddun in Marokko abgelöst. Unter Abou Yacoub belagerten sie ab 1299 Tlemcen und errichteten ein Militärlager. Da die Belagerung sehr lange dauerte, entwickelte sich eine ganze Stadt mit Mauern, Palästen, Moschee, Bädern und Marktviertel. Sie nannten ihren Ort „El Mahala el Mansoura“, das siegreiche Lager. 1307 wurde Abou Yacoub ermordet und die Belagerung abgebrochen. Die Ziyaniden zerstörten Mansoura so gut es ging, doch die Meriniden kehrten zurück, bauten Mansoura wieder auf und blieben von 1337 bis 1359. Ganz Tlemcen stand nun unter ihrer Verwaltung. Das heute weithin sichtbare Minarett der Mansoura-Moschee wurde gerade renoviert. Es ähnelt denen in Marokko, besonders dem der Kutubiya-Moschee.
Die nachfolgenden Ziyandien des Abu Hammou Moussa I. konnten Tlemcen wieder zurückerobern und erweitern. Im Zentrum der Stadt liegt der Mechouar (Versammlungshof) mit  der Zitadelle und dem Palast des letzten Zianiden-Herrschers Abou Hammou Moussa II. aus dem 14. Jahrhundert, dessen Renovierungsarbeiten bald abgeschlossen werden.

Historiker und Philosophen  

1370 kam der große Historiker Ibn Khaldun nach Tlemcen, der die Geschichte der Berber und wichtige philosophische Bücher schrieb. Er lehrte in der, nach ihm benannten Medersa Khaldouniya, einer Schule, in der die Studenten auch wohnten, im Stadtviertel El Eubbad. Hier steht in der Nachbarschaft die Moschee des Schutzpatrons von Tlemcen, Sidi Boumediène. 

Moschee Sidi Boumediènne
Zur kleinen Moschee von Sidi Boumediène aus dem 14. Jahrhundert im Stadtteil El Eubbed pilgern jedes Jahr viele Leute aus nah und fern, denn der Mystiker, Poet und Wissenschaftler Abou Madyane (Sidi Boumediène) war und ist als „Professor der Professoren“ im ganzen Maghreb bekannt, wie auch der Philosoph Ibn Rushd (Averroes), der zur selben Zeit lebte und lehrte. Sidi Boumediène wurde in Sevilla um 1126 geboren und studierte in Fes Theologie und die Geheimnisse des Sufismus. Auf seinem Weg in den Orient kam er nach Tlemcen. In Mekka lernte er Cheikh Sidi Abdelkader el Djilali und al Ghazali kennen und ergänzte sein Wissen. Er lehrte in Bagdad und durch seine Aufsätze und Ansichten gewann er zahlreiche Anhänger. Während der Kreuzzüge kämpfte er an der Seite von Saladdin und verlor im Kampf eine Hand. Auf seinem Weg nach Marrakech machte er wieder Halt in Tlemcen, lehrte dort und starb 1197. Abou el Hassan (der schwarze Sultan) ließ im 14. Jahrhundert die Moschee und die Medersa bauen, das Grab von Sidi Boumediène befindet sich gegenüber des Eingangs zur Moschee. Dies ist einer der heiligen Orte in Tlemcen und die Moschee ein Meisterwerk der spanisch-maurischen Architektur mit dem Minarett, das von mehrfarbigen Ziegeln geschmückt ist.

Wissenschaft, Musik, Poesie und Handwerk

Das Sultanat von Tlemcen erreichte seinen Höhepunkt um das 15. Jahrhundert. Wissenschaftler, Religionsmänner, Künstler strömten aus allen Himmelsrichtungen herbei, man zählte bereits fünf Medersen. Die Verbindungen zwischen den Ziyaniden aus Tlemcen und den Nasriden in Andalusien befruchteten sich gegenseitig. So erhielt Abou Tachfin ibn Abu Hammou seine fürstliche Erziehung im Palais Alhambra in Granada. Tlemcen entwickelte sich zur Zwillingsstadt von Granada in Afrika,  besonders als während der Reconquista Muslime und Juden aus Spanien vertrieben wurden, ließen sie sich in Tlemcen und Umgebung nieder. Sie brachten ihre Musik, Poesie und Handwerk mit. Dichter und Denker, Künstler und Handwerker wurden feierlich empfangen. Die andalusische Musik spielt in Tlemcen auch heute noch eine große Rolle und viele Meister der Musik stammen von hier. So wurden die verschiedenen Stile dieser Musik erhalten und weiterentwickelt.

Ab 1550 fiel die Ziyanidendynastie und Tlemcen geriet unter osmanische Herrschaft, bis ab 1830 Frankreich in Algerien einmarschierte und versuchte die Spuren der großartigen Berberreiche zu eliminieren. 1831 wurde Tlemcen besetzt.
Doch das reiche Erbe reiste bereits um die Welt durch das Wissen, die Musik, die Handwerkskunst und deren Produkte wie Teppiche und Stickereien, die sich auf den Märkten des Okzidents und Orients finden.

Tlemcen heute

Heute ist Tlemcen eine tolerante und saubere Stadt mit reichem historischem Erbe. Moscheen, Synagogen und Kirchen haben ihren Platz genauso wie die modernen Gebäude der Universität und Hotels. Die erste französische Touristeninformation in Algerien wurde 1919 im Zentrum von Tlemcen in einer ehemaligen Synagoge, die später zu einer Kirche umgebaut wurde, eröffnet. Das „Schmuckkästchen“ im Westen Algeriens lädt zu einem Besuch ein.


Touristische Informationen:

Rund 550 km von Algier entfernt, auf der neuen Autobahn Est-Ouest zügig erreichbar.
Flüge von Frankfurt über Algier und im Sommer über Oran, dann weiter auf der Autobahn bzw. Schnellstraße
Hotel Les Zianides im Zentrum
Hotel Pomaria etwas ausserhalb Richtung Mansoura
Hotel Renaissance der Mariott-Gruppe auf dem Plateau Lalla Setti über der Stadt, auch per Seilbahn erreichbar

Wasserfall und Brücke El Ourit
bei Tlemcen
Ausflüge:
Nach El Ourit mit einer Brücke, die von Gustave Eiffel (Eiffelturm) erbaut wurde und im weiteren Verlauf zu den größten Tropfsteinhöhlen des Landes: Grottes des Beni Add
Nach Ghazaouet an der algerisch-marokkanischen Grenze zum Baden
Nach Oran mit den dortigen Sehenswürdigkeiten

Reiseführer:
Lonely Planet, Algeria (englisch)
Le petit Futé, Algérie (französisch)
Trescher Verlag, Algerien - Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara (deutsch)

weitere Reiseinformationen unter:  www.Afrika-Welt-Reisen.de und www.Algerien-Infos.de

Text und Bilder: Birgit Agada 
Sie ist Touristikmanagerin und hat den Reiseführer Algerien geschrieben.


Montag, 24. Juni 2013

Auf Wiedersehen, Kerim

Auf Wiedersehen, Kerim
Die Liebe des Algeriers
Dokumente zur deutsch-algerischen Geschichte während des Unabhängigkeitskrieges

Es war eine andere Zeit: Zwischen den „Supermächten“ herrschte der „Kalte Krieg“, Deutschland war in zwei feindliche Teile gespalten und die europäischen Kolonialreiche lösten sich auf, oftmals im Zuge unerbittlich geführter Befreiungskriege. Dass diese Entwicklungen vielfach zusammenhingen, ist heutzutage allgemeines Wissensgut. Wie sie aber die individuellen Biografien geprägt haben, ist weitgehend unbekannt geblieben. Umso dankenswerter ist eine kleine Buchpublikation, die nun auf Französisch und in deutscher Übersetzung erschienen ist und in der Dokumente einer solchen Biografie versammelt sind: die des Algeriers Kerim.

Sein Lebensweg ist zugleich ungewöhnlich, aber auch exemplarisch, weil er durch die politischen Vorgänge der späten 1950er und frühen 1960er Jahre bestimmt wurde: Abdelkerim Touati, 1932 geboren,  stammte aus Bejaia, einer geschichtsreichen Hafenstadt in der damaligen französischen Kolonie Algerien. Wie viele andere junge Leute seiner Generation schloss er sich der Unabhängigkeitsbewegung an.

In Frankreich wollte Kerim Mitte der 1950er-Jahre politische Wissenschaften studieren, wurde Aktivist der algerischen Studentenorganisation, Union Générale des Etudiants Musulmans Algériens (UGEMA), die der algerischen Befreiungsorganisation (FLN) nahestand. 1956 musste er Frankreich verlassen, wo die UGEMA verboten wurde, wich nach Westdeutschland aus,  um sein Studium und seine politische Arbeit fortzusetzen. Kaum bekannt ist, dass Deutschland auch während der Adenauer-Ära der algerischen Opposition weite Spielräume ließ und weitreichende Kontakte zu ihr unterhielt - trotz der zur Staatsräson erhobenen „deutsch-französischen Freundschaft“.

Für Kerim währte diese Unterstützung allerdings nicht lange, da auf französischem Druck Westdeutschland schließlich der politisch aktiven algerischen Studentenschaft, den Mitgliedern der UGEMA, das Aufenthaltsrecht entzog. Hier nun griff der Konflikt der Supermächte: Kaum war klar, dass die algerischen Studenten ausgewiesen werden würden, bot die DDR an, die „antikapitalistischen Freiheitskämpfer“ aufzunehmen. Kerim fand sich in Leipzig wieder.

In Leipzig verliebte sich die ostdeutsche Studentin und überzeugte Kommunistin Heidy in Kerim. Sie SED-Mitglied, er ein algerischer Freiheitskämpfer, UGEMA-Aktivist, beide idealistisch, von ihren politischen Zielen vereinnahmt. Und doch einfach nur verliebt.

Dann änderte sich die Lage abermals: Westdeutschland diente als eines der „neutralen“ Felder für inoffizielle Verhandlungen zwischen der FLN und der französischen Regierung, so dass auch der UGEMA wieder erlaubt wurde, in Westdeutschland aktiv zu werden. Kerim kehrte in den Westen zurück, noch vor dem Mauerbau. Nach Kerims Weggang aus Ostdeutschland veröffentlichte Heidy ihre gemeinsame Geschichte, politisch überhöht. „Adieu, Kerim!“, die Geschichte ihrer Liebe und titelgebend für das jetzt erschienene Buch. Halb poetisch, halb politisch ist der Bericht über eine zeitgebundene Liebesgeschichte, verfasst mit politischem Kalkül. Und doch ergreifend.

Wie bei den anderen Dokumenten, die das Buch versammelt, zeigt sich die historische Bedeutung dieser Texte gerade durch ihre politische Ausrichtung: Sie sind aus politischem Sendungsbewusstsein und ebensolcher Wirkungsabsicht entstanden.
Aber sie zeigen gerade dadurch, weil sie parteiisch sind, die Konfliktlinien und die Verfasstheit der streitenden Parteien sehr deutlich. Die Polemik, das Pathos sind damals ernst gemeint gewesen. Tödlich ernst.

Zur Zeit jährt sich die algerische Unabhängigkeit. 50 Jahre sind vergangen. Heidy starb nach dem Ende der DDR, ohne Kerim wiedergesehen zu haben. Kerim selbst wurde nach dem Unabhängigkeitskrieg hoher Beamter in Algerien und arbeitete für die algerische Handelsmission in Westdeutschland. Erlebt heute in Westerland auf Sylt.

Sein Buch ist ab sofort erhältlich bei www.AFARAB.de Eine Rezension dazu wurde gerade veröffentlicht.

Pressemeldung zu Auf Wiedersehen, Kerim von Abdelkerim Touati    
Ihleo Verlagsbüro, Husum




Mittwoch, 20. Februar 2013

Frankreich zensiert Berichterstattung über Krieg in Mali

Copyright. B.Agada
Sahara
Um den Eindruck des "klinisch sauberen Kriegs" in Mali nicht zu gefährden, werden seit einigen Tagen gar keine Bilder und Informationen mehr über die Kampfhandlungen geliefert. Aus den Hauptnachrichten in Frankreich und Deutschland ist das Thema Krieg in Mali bereits verschwunden gewesen, wäre gestern nicht der erste französische Soldat ums Leben gekommen.

Viel zu voreilig feierte der französische Präsident François Hollande den Sieg gegen die Islamisten und kündigte den Rückzug der französischen Truppen an. Denn nun fängt der Krieg erst richtig an und zwar abseits der Kameras und Journalisten.

Lesen Sie hierzu den Beitrag der ARD Tagesschau:  Frankreichs "klinisch sauberer Krieg" in Mali von Alexander Göbel

Die Menschenrechtsorganisation Menschenrechte 3000 e.V. berichtet auf ihrer Internetseite über die Situation der Tuareg in Mali.

Birgit Agada

Montag, 11. Februar 2013

Tausende Tuareg-Zivilisten bedroht


Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat vor einer Zuspitzung der humanitären Krise in Nord-Mali gewarnt. In den letzten fünf Tagen sind mehr als 6.000 Tuareg-Zivilisten aus dem umkämpften Bergmassiv Adrar des Ifoghas im Nordosten des Landes zur algerischen Grenze geflohen, berichtete die Menschenrechtsorganisation am Montag in Göttingen.

Tuareg an der algerischen Grenze aufgehalten

Täglich wächst die Zahl der an der Grenze eintreffenden Frauen, Kinder und alten Menschen. In Algerien bekommen sie keinen Schutz, weil der Staat aus Angst vor dem Eindringen von Islamisten seine Grenzen im Süden des Landes geschlossen hat. "Wir befürchten einen weiteren Exodus der Zivilbevölkerung aus dem Nordosten Malis", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Denn die Zivilisten rechnen mit länger andauernden schweren Kämpfen in dem unzugänglichen Berggebiet.

Rücksichtslose Tschad-Truppen dringen in Tuareg Gebiet ein

Nach mehreren Dutzend Luftangriffen auf das Bergmassiv, in dem radikale Islamisten vermutet werden, hat Frankreich Ende letzter Woche seine Bombardements mangels ersichtlicher Angriffsziele eingestellt.
Bodentruppen aus dem Tschad sollen das Rückzugsgebiet radikal-islamischer Aufständischer nun systematisch durchkämmen und islamistische Kämpfer stellen. "Für die traditionell in der Region lebenden Tuareg bedeutet dies nichts Gutes", erklärte Delius. Denn wieder einmal wird ihre Region zum Aufmarschgebiet von Fremden, die wenig Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung zeigen.

Zahl ziviler Opfer wird steigen

"Eine hohe Zahl ziviler Opfer ist in den nächsten Monaten in diesem unwegsamen Gelände zu befürchten", erklärte Delius. Denn wie wollen Soldaten aus dem Tschad oder anderen afrikanischen Nationen unterscheiden, ob ihnen unbeteiligte Zivilisten oder radikale Islamisten gegenüberstehen? "Wir befürchten, dass dann die Devise gilt, jede Person zu töten, die sie in dem Bergmassiv antreffen." Nachdrücklich appellierte die GfbV an die Konfliktparteien, den Schutz der Zivilbevölkerung bei den nun beginnenden Kämpfen sicherzustellen.

Adrar des Ifoghas ist Rückzugsgebiet radikaler Islamisten

Unter den französischen Militärs ist das Bergmassiv gefürchtet. Mit zahllosen Höhlen und nur schwer einsehbaren Tälern bietet die Region einen idealen Rückzugsraum für radikale Islamisten. Militärexperten gehen davon aus, dass die Terrorbewegung "Al Kaida im Maghreb" (AQMI) und verbündete Milizen dort umfangreiche Höhlen- und Tunnelsysteme angelegt haben, in die sich ihre Kämpfer nun zurückziehen und in denen sich große Waffen- und Treibstoffvorräte befinden sollen. Auch werden dort vermutlich sieben französische Geiseln festgehalten, die im Jahr
2010 in Niger entführt wurden.

Weitere Informationen gibt die Gesellschaft für bedrohte Völker: www.GfbV.de
Ulrich Delius   Tel. 0160/95671403

 



Mittwoch, 23. Januar 2013

"Sauberer Krieg" in Nord-Mali ? Besonders zivile Tuareg fürchten um ihre Sicherheit


Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die unverzügliche Entsendung von Menschenrechtsbeobachtern der Vereinten Nationen nach Zentral- und Nord-Mali gefordert. Sie sollen Vorwürfe untersuchen, in jüngst von radikalen Islamisten zurückeroberten Städten seien Menschenrechtsverletzungen von der malischen Armee verübt worden, erklärte die GfbV am Mittwoch in Göttingen. Tuareg-Vertreter und der Verband der in Nord-Mali lebenden Araber "Al Carama" haben in den letzten drei Tagen über mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen malischer Soldaten berichtet. Malische und französische Menschenrechtler beklagten das Verschwinden von Personen in der Stadt Niono.

Tuareg, Songhai, Araber in Angst

Auch Abgeordnete aus dem Kreistag der im Nordosten Malis gelegenen Region Kidal warnen vor wachsenden ethnischen Spannungen und einem Auseinanderbrechen der malischen Gesellschaft. Sie sind darüber alarmiert, dass ganze ethnische Gemeinschaften wie Tuareg, Songhai und Araber pauschal zum Sündenbock erklärt werden. So nehme die Angst unter den Menschen immer mehr zu.
"Nach der Rückeroberung von Städten in Zentral- und Nord-Mali durch die malische Armee besteht eine große Gefahr von Vergeltungsaktionen malischer Soldaten an Angehörigen der ethnischen Gruppen der Tuareg, Songhai und Arabern", warnte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius bereits am Sonntag. "Erste Übergriffe wurden bereits bekannt. Die Berichte können aber leider nicht von unabhängiger Seite verifiziert werden, da Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu der Konfliktregion verweigert wird."

Malis Medien schüren massiv ein Feindbild Tuareg

Tuareg berichteten von fünf ermordeten Zivilisten, unter ihnen ein Tuareg-Marabout sowie sein Onkel. Die Marabouts sind Geistliche, die sehr hohes Ansehen in der Tuareg-Gesellschaft genießen.
In Sévaré sollen Menschen exekutiert oder in Brunnen geworfen worden sein. Die Leichen seien verbrannt worden, wird berichtet. Tuareg, Songhai und Araber fliehen seit Beginn der Militärintervention aus Angst vor Racheakten malischer Soldaten aus den Städten Nord-Malis.

Bürger von malischen Soldaten verhaftet, seither verschwunden

In der Stadt Sévaré (nahe Konna), die französische Soldaten zu Beginn ihrer Intervention am 11. Januar absicherten, wurde ein Bürger von malischen Soldaten in Gewahrsam genommen. Der Verhaftete wird der Unterstützung von Islamisten verdächtigt, er gilt seither als verschwunden. Zeugen berichten von weiteren neun Fällen allein in dieser Stadt. In der Stadt Niono (nahe dem lange umkämpften Diabaly) bezichtigen Augenzeugen malische Soldaten mehrerer Morde und anderer Übergriffe auf die Zivilbevölkerung.

Nur unabhängige Beobachter können berichten, was wirklich passiert

"Ohne den Einsatz unabhängiger Beobachter wird niemand erfahren, was in den Städten Konna, Sévaré, Diabaly, Niono und Douentza tatsächlich passiert ist", sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. "Doch es muss dringend geklärt werden, denn diese Gerüchte von Übergriffen malischer Soldaten sind Gift für das Zusammenleben der verschiedenen ethnischen Gemeinschaften und lösen eine neue Flüchtlingswelle aus." "Besonders Tuareg müssen um ihre Sicherheit fürchten, auch weil viele Medien Malis das Feindbild Tuareg massiv schüren", sagte Delius.

Kein Zugang für Menschenrechtler und Journalisten

"Bislang wird der Krieg in sorgsam von Journalisten und Menschenrechtlern abgeriegelten Regionen geführt", kritisierte Delius.
"In den Medien vermittelt Frankreichs Armee das Bild eines "sauberen Krieges", mit "chirurgischen Eingriffen" (Bombardements), die "Millimeter genau" geführt werden. Dass dies nicht die ganze Realität eines Krieges ist, dürfte auch die Presseabteilung der französischen Armee wissen." Trotzdem ließ sie erst anderthalb Tage nach der Rückeroberung Journalisten in die Stadt Diabaly. Augenzeugen berichteten, dass dort zuvor bei Kämpfen mindestens 50 Islamisten starben. Doch als Medienvertreter in die Stadt gelassen wurden, gab es keine Spuren mehr der Auseinandersetzungen.
"Wir Menschenrechtler sind besonders besorgt über den wachsenden Einfluss der beiden Milizen "Ganda Izo" und "Ganda Koi"", erklärte Delius. In ihnen sind mehrere tausend Malier zusammengeschlossen, die Nord-Mali mit Waffengewalt zurückerobern wollen. "Das ist normalerweise die Aufgabe der Armee. Niemand kontrolliert diese Milizen, von denen schon bald massive Übergriffe auf vermeintliche Unterstützer der Islamisten ausgehen könnten."

Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen sollen Vorwürfe untersuchen

Nur das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat die Möglichkeit, von den Konfliktparteien freien Zugang zu den nun befreiten Städten zu fordern. "Die Anwesenheit von UN-Menschenrechtsbeobachtern ist dringend notwendig, um den Bewohnern der Städte ein Gefühl von Sicherheit zu geben und einen weiteren Flüchtlingsexodus zu verhindern", sagte Delius.
Denn nun fliehen Tuareg, Songhai und Araber aus Timbuktu, Kidal und anderen Städten in Nord- und Zentral-Mali, die seit mehreren Monaten von radikalen Islamisten kontrolliert wurden.
Die Angehörigen dieser ethnischen Gruppen fürchten pauschale Vergeltungsaktionen malischer Soldaten, mit denen sich die Armee für die im Jahr 2012 erlittenen militärischen Niederlagen rächen könnte.

"Die EU muss alles tun, um Racheakte malischer Soldaten bei der Rückeroberung Nord-Malis zu verhindern", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius, "denn wer Menschenrechte im Antiterror-Kampf missachtet, verliert seine Glaubwürdigkeit."

weitere Informationen gibt die Gesellschaft für bedrohte Völker: www.GfbV.de   
Ulrich Delius  Tel. 0160/95671403




Donnerstag, 17. Januar 2013

Dauerhafter Frieden nur mit Zugeständnisse an Tuareg

Anlässlich des Ausbruchs des Bürgerkriegs in Mali vor einem Jahr hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) daran erinnert, dass nicht radikale Islamisten, sondern eine Tuareg-Rebellion den Krieg auslösten.
"Ohne maßgebliche Zugeständnisse an die Tuareg wird es auch keinen dauerhaften Frieden im Norden Malis geben", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. "Nur am Verhandlungstisch kann der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt gelöst werden." Seit Ende der Kolonialzeit im Jahr 1960 fordern Tuareg und andere im Norden des Landes lebende ethnische Gruppen ein Ende der Vernachlässigung ihrer Region und mehr Selbstbestimmung.

Wahre Ursachen der Unzufriedenheit ist die Vernachlässigung von Nord-Mali

Malis Politiker verdrängen dies nur allzu gerne mit eilfertigen Anfragen nach immer mehr ausländischen Soldaten, die ihre Herrschaft sichern sollen. "Natürlich muss das Vordringen radikaler Islamisten gestoppt werden", erklärte Delius. "Dies darf aber nicht dazu führen, dass die wahren Ursachen der Unzufriedenheit in Nord-Mali erneut von Malis Politikern ignoriert werden und ihnen das Ausland dabei auch noch Hilfestellung leistet." Nachdrücklich muss die internationale Gemeinschaft darauf drängen, dass für Nord-Mali eine nachhaltige Friedenslösung gefunden wird und nicht nur die radikalen Islamisten verdrängt werden.

Tuareg waren nicht Söldner Gaddafis

Mali schaut auf ein katastrophales Jahr zurück, in dem der zuvor als gefestigt geltende Staat innerhalb weniger Monate die Kontrolle über zwei Drittel seines Territoriums verlor. Die neuerliche Revolte der Tuareg, die schon in den 90er-Jahren für ihre Rechte gekämpft hatten, deutete sich schon vor dem Sturz von Libyens Diktator Gaddafi an. Die Rückkehr bewaffneter und militärisch gut ausgebildeter Tuareg aus Libyen heizte die Unzufriedenheit der Minderheit weiter an. Diese Tuareg waren keine Söldner Gaddafis, sondern hatten nach den Hungerkatastrophen in den 70er-Jahren in Libyen Zuflucht gesucht und sich in Gaddafis Armee jahrelang hochgedient. Nun mussten sie das Land verlassen, weil sie pauschal als "Söldner des Diktators" verdammt wurden. "Malis Politiker sehen sich gerne als Opfer des Umsturzes in Libyen, doch ihre Probleme mit den Tuareg sind hausgemacht", sagte Delius. So wurden Friedensvereinbarungen jahrelang nicht umgesetzt.

Tuareg-Rebellion begann am 17. Januar 2012

Mit einem Angriff auf die Stadt Menaka begann die Tuareg-Freiheitsbewegung MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung Azawads) am 17. Januar 2012 ihre Revolte. Angesichts des desolaten Zustands der malischen Armee erzielte die MNLA immer neue Geländegewinne. Der Militärputsch des Hauptmanns Amadou Sanogo am 21. März 2012 schwächte die Armee noch weiter und begünstigte entscheidend den Siegeszug der Aufständischen. Diese riefen am 6. April "Azawad", den ersten Tuareg-Staat in Afrika, aus. Im Frühsommer wurde die MNLA von radikalen Islamisten entmachtet, die fortan die Kontrolle über Nord-Mali übernahmen.
Inzwischen dürfte auch den meisten Tuareg bewusst sein, dass keine Regierung weltweit an einem unabhängigen Tuareg-Staat interessiert ist.
Doch ohne mehr Selbstbestimmung für die Menschen im Norden des Landes im Rahmen des Staates Mali und ohne mehr Hilfen für ihre Region wird es keinen Frieden geben.

weitere Informationen gibt die Gesellschaft für bedrohte Völker www.GfbV.de: 
Ulrich Delius  Tel. 0160/95671403


Islamische Extremisten dürfen kein Lösegeld erhalten

Wenn es die internationale Gemeinschaft mit dem Kampf gegen radikale Islamisten in Nordwestafrika ernst meint, dann darf sie nicht erneut Lösegeld für die Freilassung ihrer entführten Staatsbürger zahlen, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Denn die Islamisten in der Sahara finanzieren ihren Kampf maßgeblich mit Lösegeld, das von europäischen Staaten erpresst wurde", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. "Wer die Islamisten stoppen will, muss ihre Finanzierungs-Netzwerke zerstören. Das ist wirksamer als jede EU-Ausbildungsmission für Malis Armee."

Radikale Islamisten locken mit Geld

Mit erpresstem Lösegeld aus Europa schaffen Malis radikale Islamisten finanzielle Anreize für arbeitslose junge Männer in Nord-Mali, um sich als Söldner für die Terrorgruppen zu verdingen. "Denn die meisten Kämpfer, die nun der französischen Armee gegenüber stehen, sind keine überzeugten Islamisten", sagte Delius. "Sie haben sich vor allem aus finanziellen Gründen den Aufständischen angeschlossen."

AQMI "verdient" Millionen mit Entführungen

Die GfbV erinnerte daran, dass die Islamisten in der Sahara in den letzten zehn Jahren Entführungen zum lukrativsten Wirtschaftszweig der Region gemacht haben. Mit immer neuen Lösegeldzahlungen steigen die von den Terroristen verlangten "Preise" für Geiselbefreiungen. So mussten im Jahr 2010 durchschnittlich 4,5 Millionen US-Dollars für die Freilassung einer Geisel durch El Kaida im Maghreb gezahlt werden. Im Jahr 2011 waren es bereits 5,4 Millionen US-Dollars, die für die gleiche "Leistung" gefordert wurden. Auch Deutschland soll im Jahr 2003 für die Freilassung von verschleppten Touristen 4,6 Millionen Euro an Entführer gezahlt haben. Mehrere Dutzend Millionen Euro sollen die radikalen Islamisten Schätzungen zufolge in den letzten zehn Jahren als Lösegeld erpresst haben.

Die radikalen Islamisten unterhalten ein dichtes Netzwerk in der Sahara und tauschen Geiseln auch untereinander aus. Da Ausländer seit längerem aus Sicherheitsgründen Nord-Mali meiden, lässt El Kaida Ausländer auch in Mauretanien, Niger und Algerien entführen.

"Für die Regierungen der entführten Staatsbürger und für die Angehörigen der Geiseln ist die Verweigerung der Lösegeldzahlung natürlich eine schwierige Entscheidung", erklärte Delius. Denn es ist zu befürchten, dass die Geiseln dann kaltblütig ermordet werden. Malis Islamisten kennen keine Gnade mit den Entführten. Selbst Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die Entwicklungsprojekte gemeinsam mit Tuareg betrieben, wurden von ihnen bereits hingerichtet.

weitere Informationen gibt Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tel. 0160/95671403
www.GfbV.de 


Montag, 14. Januar 2013

Wüstenkrieg in Mali sichert Frankreichs Energieversorgung


Obwohl der französische Staatspräsident Francois Hollande am Samstagabend versicherte, dass sein Land nicht aus eigennützigen Interessen in Mali interveniere, glaubt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen, "dass die Militärintervention Frankreichs in Mali auch der Sicherung seiner eigenen Energieversorgung mit preiswertem Uran aus Niger, dem Nachbarland Malis dient."
"Der wachsende Einfluss radikaler Islamisten ist nicht nur eine Gefahr für die Menschenrechte, sondern bedroht auch die Sicherheit der Uranversorgung Frankreichs", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

Militärintervention in Mali: Frankreich bestreitet eigennützige Interessen

"Frankreich will nicht nur einen radikal-islamischen Gottesstaat in Mali verhindern, sondern auch seine eigenen strategischen und wirtschaftlichen Interessen sichern", erklärte Delius. "So versteht es Frankreich immer wieder geschickt, seine europäischen Partner mit Alleingängen zur Solidarität zu zwingen und damit auch französischen Interessen zu dienen."

Uranvorkommen in Niger für Kernkraftwerke in Frankreich 

"Die Islamisten haben mit Entführungen französischer Ingenieure aus den Uranminen deutlich gemacht, dass sie auch im Norden des Niger ungehindert operieren können." Noch immer halten radikale Islamisten im Norden Malis vier französische Techniker als Geiseln fest, die am 16. September 2010 aus der Minenstadt Arlit (Niger) entführt wurden.
 Rund ein Drittel der 58 Kernkraftwerke in Frankreich werden mit Uran aus Niger betrieben. Kernkraft sichert 78 Prozent der Stromversorgung in Frankreich. Der Niger ist weltweit der viertgrößte Uranproduzent. Im Jahr 2011 wurden 4.075 Tonnen der 4.351 landesweit geförderten Tonnen Uran von den zwei Unternehmen SOMAIR und COMINAK abgebaut, bei denen der französische Staatskonzern AREVA Mehrheitsaktionär ist. Neben den schon existierenden Minen in den Tuareg-Gebieten im Norden des Landes, plant AREVA in zwei Jahren eine neue große Uran-Mine in Imouraren in Betrieb zu nehmen. AREVA investiert mindestens 1,2 Milliarden Euro in dieses neue Projekt, das die jährliche Uranförderung in Niger jährlich um 5000 Tonnen steigern soll. Seit dem Jahr 1971 betreibt AREVA kommerziellen Uranbergbau im Norden Niger. Das Unternehmen ist der größte ausländische Investor in dem Land.

Tuareg leiden massiv unter der radioaktiven Verseuchung des Bodens 

In der Bergbauregion lebende Tuareg kritisieren seit Jahren die katastrophalen ökologischen Folgen der Uranförderung und beklagen, dass ihre Region zu wenig von der Förderung der Bodenschätze profitiert.
Radioaktiv verseuchter Abraum beeinträchtigt massiv die Gesundheit vieler Tuareg.

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