Montag, 21. Dezember 2015

Mali: Tuareg dringen auf schnellere Umsetzung des Friedensabkommens

„Die Lage in Nord-Mali ist äußerst angespannt, weil die Tuareg und arabische Nomaden der Regierung vorwerfen, ihre Zusagen nicht einzuhalten. Auch hält die Gewalt islamistischer Extremisten weiter an“, erklärte der  Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen.
Sechs Monate nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens für Mali und wenige Wochen vor der Stationierung von Bundeswehrsoldaten im Norden des Landes hat die GfbV eine zügigere und konsequentere Umsetzung des Friedensvertrags angemahnt. „Dringend sollte sich die deutsche Bundesregierung auch im Interesse der Sicherheit der Bundeswehrsoldaten für eine wirksame und glaubwürdige Umsetzung des Friedensabkommens einsetzen.“ Der Friedensvertrag zwischen der Regierung Malis und den Tuareg und Arabern im Norden des Landes hatte am 20. Juni 2015 zweieinhalb Jahre Bürgerkrieg beendet.

Tuareg erwarten Versöhnung durch nationale Konferenz   

Die Bewegungen aus dem Norden haben der Regierung Malis nun ein Ultimatum gestellt, um die Bestimmungen des Friedensvertrages endlich umzusetzen. Insbesondere warten die Tuareg ungeduldig auf die Einberufung einer nationalen Konferenz, um über die Ursachen der
Unzufriedenheit der Menschen im Norden des Landes zu beraten. Die Tuareg versprechen sich davon mehr Respekt ihrer Rechte sowie eine stärkere Förderung ihrer lange vernachlässigten Region. Auch könnte mit dieser Konferenz die nationale Versöhnung vorangetrieben werden, die von der Regierung vernachlässigt wird.

Tausende Kinder können nicht zur Schule

„Sechs Monate nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages ist die Lage in Nord-Mali noch immer sehr gefährlich und weit von Normalität entfernt. Jede Woche kommt es zu Überfällen und Kämpfen mit islamistischen Extremisten“, erklärte Delius. Rund 380.000 Kinder können wegen der angespannten Sicherheitslage noch nicht die Schule besuchen. Fast 140.000 Menschen leben noch immer als Flüchtlinge in den Nachbarländern und 62.000 haben in anderen Regionen Malis Zuflucht gesucht.

Tuareg befreien Nomaden aus den Händen von Islamisten

Erst letzte Woche wurden vier Menschen bei Kämpfen zwischen Tuareg und Islamisten getötet, als Tuareg versuchten, dreizehn von den Extremisten verschleppte Nomaden zu befreien. Am 17. Dezember wurden drei Jugendliche in Timbuktu mutmaßlich von einem Islamisten ermordet. Am 13.
Dezember waren bei einem Angriff auf eine Kaserne in Niono zwei Soldaten getötet und einer verletzt worden. Deutschland will bis zu 650 Bundeswehrsoldaten spätestens ab Ende Januar 2016 im Rahmen der MINUSMA-Friedensmission der UN im Norden des Landes stationieren, um die Einhaltung des Friedensabkommens zu überwachen.


Information: Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) 
Ulrich Delius Tel. 0160/95671403


Donnerstag, 5. November 2015

Alger - Climat de France

Galerie Kornfeld, Berlin

Alger - Climat de France     
Ausstellung von Stéphane Couturier 

Noch bis zum 24. November 2015 präsentiert die Galerie Kornfeld in Berlin den französischen Architekturphotographen Stéphane Couturier. Die Bilder aus Alger - Climat de France, so der Titel, sind Frontalansichten des gleichnamigen Wohnviertels in Algier.

1957 geboren, feiert Couturier Erfolge in Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika, in Deutschland ist er relativ unbekannt. Dies möchte die Galerie Kornfeld ändern und hat Stéphane Couturier zum zweiten Mal nach Berlin eingeladen. Der Kurator Tilman Treusch hat den Fotokünstler vor rund 15 Jahren kennengelernt. Bekannt wurde der Photograph u.a. durch seinen Bildband Paris Berlin mit Ansichten städtischer Architektur. „Er sieht Dinge, die Emotionen auslösen und etwas erzählen“ sagt der Kurator im Kulturradio (RBB).

Die Ausstellung

Die aktuelle Ausstellung zeigt Ausschnitte von Frontalansichten der Häuser von Climat de France am Fluss Koriche, einem Viertel im berüchtigten Stadtteil Bab el-Oued (Tor zum Fluss) zwischen der Kasbah und der Basilika Notre Dame d’Afrique. Die großformatigen Bilder sind in den letzten drei bis fünf Jahren entstanden. Gezeigt werden Fenster vor denen Wäsche im Wind flattert, Satellitenschüsseln sind am Balkongeländer angeschraubt, Decken hängen über den Geländern, Kabel hängen herunter. Menschen sind kaum zu sehen, aber das, was sie mit der Architektur im Lauf der Zeit gestaltet haben. Es entstand „eine Struktur wie abstrakte Malerei“, die lebt.
Das Titelbild der Ausstellung zeigt eine Gebäudewand in Bab el-Oued mit einer unendlich langen Fensterfront und dahinter die Bucht von Algier mit Schiffen, die auf Reede liegen. Tilman Treusch sieht darin eine „versperrte Weite“- das Meer symbolisiert die Unabhängigkeit, die Tanker den Reichtum, die heruntergekommenen Kolonialbauten die Geschichte.

Geschichte des Climat de France

Die Gebäude des Climat de France entstanden zwischen 1956 und 1960 nach Entwürfen des bekannten französischen Architekten Fernand Pouillon, der auch einige Hotels im landestypischen Stil in Algerien bauen ließ. Auf 15000 Quadratmetern entstand das mehrstöckige Zentralgebäude mit einer Länge von 235 Metern und 40 Metern in der Breite um einen Marktplatz mit Geschäften unter den Arkaden, den die Algerier „Platz der 200 Säulen“ nannten. Moschee, Schule, Stadion und Gärten ergänzten das Ensemble. Geplant waren 4500 Wohneinheiten für 30000 Bewohner, zuletzt lebten in diesem überbevölkerten Komplex über 50000 Einwohner, auch auf dem Dach und in Kellern. 2003 hielt es sogar einem schweren Erdbeben stand.
Die Bewohner der Stadt in der Stadt im Herzen von Algier sollten nicht in Slums (Bidonvilles), sondern in guter Nachbarschaft sollten „Algerier und Algerien-Franzosen, Muslime und Nichtmuslime“ zusammen leben. Allerdings war dieses Viertel zum Teil auf historischem Boden gebaut und nicht zuletzt wollte Frankreich noch einmal seine Macht demonstrieren, denn das Viertel entstand während des Unabhängigkeitskrieges und so konnten Tausende von Arbeitern beschäftigt werden und wurden damit vom Bombenbauen abgelenkt.
Bald könnten diese Bilder Geschichte schreiben, denn Anfang 2015 wurde das baufällige Climat de France geräumt und die Bewohner in neuere Viertel umgesiedelt.

Stéphane Couturier
Alger - Climat de France
24. Oktober bis 24. November 2015

Galerie Kornfeld
Fasanenstr. 26
10719 Berlin - Charlottenburg

20.Internationale Buchmesse in Algier

Messe Algier
Bis zum 7. November findet in Algier die 20. Internationale Buchmesse SILA statt. Namhafte Verlage und algerische Schriftsteller präsentieren ihre Neuheiten. Diesjähriges Ehrengastland ist Frankreich.  www.sila-dz.com  

Für seinen Roman "Der Fall Meursault, Contre-Enquête" gewinnt der algerische Schriftsteller Kamel Daoud den bekannten Prix Goncourt. Darin beschreibt er "den ermordeten Araber" in Albert Camus' Roman "Der Fremde" aus seiner Sicht und gibt ihm einen Namen.

Donnerstag, 17. September 2015

NEU Planet Wüste

Knesebeck

NEUERSCHEINUNG

MICHAEL  MARTIN

PLANET  WÜSTE

  
Zwischen 2009 und 2015 bereiste Michael Martin mit seinem Team 40 Mal Wüsten unterschiedlichster Art, ob Sahara oder Polarregion, immer brachte er eindrucksvolle Bilder mit. Aus dieser Sammlung von 300 000 Aufnahmen entstanden ein Bildband, eine Ausstellung, eine Multivisionsshow und Filme.

Das Buch ist soeben im Knesebeck-Verlag erschienen. Ab Ende September beginnt Michael Martin seine Vortragstour mit 150 Terminen. Unter anderem kommt er am 15.November nach Veitshöchheim, am  20. November nach Erlangen, am 27.Januar nach Fürth, am 27. Februar nach Nürnberg und mehrere Male nach München.


Michael Martin
Planet Wüste
Format 29.0 x 35.0 cm, gebunden mit Schutzumschlag
400 farbige Abbildungen
30 Karten
448 Seiten
Euro 49,90 inkl. MwSt.   Buch kaufen

Mittwoch, 12. August 2015

Ibn al-Arabi: Zum 850. Geburtstag des "größten Meisters"

Ibn al-Arabi
(Wikipedia)


Am Freitag, den 7. August jährte sich zum 850. Mal der Geburtstag des „größten Meisters“, des Mystikers Abu Bakr Mohammed ibn Ali al-Arabi al Hatimi at-Tai, besser bekannt als Ibn al-Arabi, der als Ehrentitel Muhdi ad-Din (Lebensspender der Religion) erhielt. Er wurde 1165 in Murcia, in Andalusien geboren, das damals zum Berberreich der Almohaden gehörte. 

Im Mittelalter des 12. Jahrhunderts, besonders in Südspanien und Nordafrika, lebten zu dieser Zeit viele Sufis und Mystiker, in fast jedem Ort. Besonders im heutigen Marokko wird diese „Heiligenverehrung“ durch Feste und Pilgerfahrten gefeiert, die mit den christlichen Wallfahrten vergleichbar sind.

Die mehr als 400 Bücher und Poesie des Ibn al-Arabi prägten die islamische Mystik ebenso wie die christliche. Die türkischen Derwischtraditionen wurden von seinen Erkenntnissen beeinflusst und seine Lehren beschäftigten den Religionsphilosophen Raimundus Lullus aus Mallorca und viele andere. Mit seinen Erkenntnissen bewegte er sich zwischen Mystik und Philosophie. Er wurde als bedeutendster Gelehrter seiner Zeit gesehen.

Ibn al-Arabis Familie wanderte mit der arabischen Ausbreitung aus dem Yemen nach Spanien ein und gehörte zu den Vornehmen in Andalusien. Sie bekleideten hohe Ämter. Als Almohaden im 12. Jahrhundert ihre Herrschaft über den ganzen Maghreb und Spanien ausdehnten und zur kulturellen Blüte brachten, zog die Familie nach Sevilla um, da der Vater eine Stellung in der Verwaltung antrat, wie auch später sein Sohn Abu Bakr Mohammed. Schon sein Vater war mit dem Arzt und Philosophen Ibn Rushd (Averroes) bekannt und einer seiner Onkel war in Algerien ein angesehener Asket, ein zweiter Onkel mütterlicherseits Yahia ibn Thugham war Emir von Tlemcen in Westalgerien. Dieser wurde durch ein Schlüsselerlebnis selbst zu einem angesehenen Sufi. Ibn al-Arabis großes Vorbild war der große Mystiker Abou Madyan aus Bejaia, der als Sidi Boumedienne noch heute in Algerien und weiten Teilen des Maghreb verehrt wird und dessen Moschee und Mausoleum in Tlemcen von vielen Pilgern besucht wird.

Ibn Rushd lernte den jungen Ibn al-Arabi kennen und war von dessen Verstand beeindruckt. Al-Arabi hatte als Kind während einer schweren Krankheit Visionen, die sein Leben prägten und ihn zum Sufismus führten. Er studierte Islamisches Recht, den Koran und seine Auslegungen.
Während seiner Pilgerreise nach Mekka durchquerte er das heutige Marokko, Algerien und Tunesien, die damals zum Almohadenreich gehörten. Weiter besuchte er Alexandria und Kairo bevor er 1201 in Mekka ankam und sich einige Jahre dort niederließ. Im Hause seines persischen Gastgebers traf er auf dessen Tochter, die ihn durch ihre geistige Bildung und Schönheit zur Dichtung von erotischen Versen beflügelte (Übersetzer des Liebesverlangens).
Ibn al-Arabi reiste nach Konya, Mosul, Bagdad und Damaskus, in Mekka hielt er sich mehrere Jahre auf und schrieb 1203 sein Buch „Brief aus der heiligen Stadt“ mit 54 Kapiteln, Biographien wichtiger Persönlichkeiten, die sein Leben beeinflussten. Darunter waren Asketen, Heiler, Seher, Prediger, Mystiker, Gläubige, Mönche, Glaubenskämpfer und Eremiten, Frauen und Männer. Er beschrieb deren Übungen des Schweigens, der Nachtwachen, des Fastens, der Erleuchtung und Ekstase.  

Einen negativen Eindruck hatte er von dem wichtigtuerischen und selbstherrlichen Auftreten der arabischen Sufis. Er erzählt in seinem Buch von einem Sufi, der sich selbst Meister der Meister nannte. Dieser erklärte, dass im Maghreb keiner versucht hätte den mystischen Weg zu Gott zu gehen. Das ärgerte nun Ibn al-Arabi und er klärte ihn über die Stufen der Erleuchtung des Abou Madyan, den „Inbegriff der Heiligkeit“ auf. Über das Jenseits und die Schöpfung der Hölle befragt, musste der arabische Meister kleinlaut zugeben, dass er davon nichts wusste. Das Wissen des Jenseits ist es, dass die Sufis des Westens ausmachte. Auch die Art des Zusammenlebens bei den arabischen Sufis erinnerte Ibn al-Arabi mehr an das der christlichen Wüstenväter und die Ordensregeln waren bei den Christen, Muslimen und Buddhisten etwa gleich. Aber die Sufis des Maghreb gaben ihren Schülern ihre Weisheiten mit auf den Weg und lebten mit ihnen,  verbunden durch das geistige Band und die gegenseitige Liebe zu Gott, so dass sie keine Regeln brauchten. Das Umhängen des Mantels Chirqa war das Zeichen der Aufnahme als Schüler.

Für Ibn al-Arabi kommt das Wissen durch die von Gott herkommende Offenbarung des Propheten Mohammed im Koran, durch Wissen, das durch Vernunft erworben wird und durch den Geschmack und der Farben (d.h. eigene Erfahrungen und Erlebnisse). In seinen philosophischen Schriften beschäftigte er sich mit mystischer Erleuchtung. Für ihn ist Gott das eine Licht, das sich dem Menschen in allen Dingen, in seinem ewigen Atem zeigt.
In seinen Lehren nehmen Frauen einen hohen Rang ein. Ibn al-Arabi war mehrmals verheiratet. In Cordoba waren zwei Frauen unter seinen Lehrern der Mystik. Er glaubte, dass Gott durch das Weibliche eher zu erkennen sei als durch den Mann.
Für die Mystiker seiner Schule wird die Frau zur vollkommensten Manifestation göttlicher Schönheit und Huld. Die Liebe zu Frauen ist gottgegeben, sagte der Prophet Mohammed, und es sind die Mütter und damit die Frauen, die die größte Verehrung und Dank verdienen.

Während seiner Jahre in Damaskus schreibt Ibn al-Arabi seine bedeutendsten Werke „Mekkanische Eröffnungen“ und „Ringsteine der Weisheit“.
Ibn al-Arabi starb 1240, er wird als „der größte Meister“ (al-Shaykh al-Akbar) verehrt, sein Grab in Damaskus ist Pilgerstätte für Mystiker und Sufis aus aller Welt.


Mal ist es eine Wiese, wo weiden Gazellen
Mal ist es ein Kloster mit Mönchen der Christen;
Mal ist es ist ein Tempel der Bilder;
Mal ist es die Kaaba der Pilger;
Mal sind es Tafeln der Thora;
Mal ist es das Buch des Qur'an.

Ich will die Religion der Liebe sehen:
Welchen Weg auch immer die Kamele gehen.
 (Quelle: Sufizentrum Braunschweig)

B.Agada

Sonntag, 2. August 2015

Königsstadt Marrakesch - Zum 6. Mal trifft Lifestyle auf Literatur

Hotel La Mamounia

Am 19. September 2015 wird das legendäre Luxushotel La Mamounia wieder zum Treffpunkt der faszinierenden frankophonen Literatur-Szene Marokkos. Aus fünf aktuell erschienenen Werken wählt die Jury des „Prix Littéraire de La Mamounia“ den Sieger aus. Alle entführen den Leser in den einzigartigen Kultur-Mix, der Marokko und seine Menschen so besonders macht. Kontinente, Länder und Städte begegnen sich in den Romanen in schillernden Geschichten und Figuren. Genauso wie Glaube, Liebe und Hoffnung – die großen Themen der Literatur in allen Teilen der Welt.

Romane mit Tragik, Komik, Poesie

Dieses Jahr sind drei der fünf nominierten Schriftsteller Frauen. Leila Slimani, Tochter einer algerisch-französischen Mutter und eines marokkanischen Vaters, in Rabat geboren, hat ihren ersten Roman „Dans le jardin de l'ogre“ (Im Garten des Menschenfressers) im renommierten Verlagshaus Gallimard in Paris herausgebracht. Imane Robelin ist Franko-Marokkanerin, lebt in Großbritannien und schrieb den Roman „Pour tout l'or de Casablanca“ (Für alles Gold von Casablanca). Mit ihrem neuen Roman „Nous n’irons pas tous au paradis“ (Wir werden nicht alle ins Paradies gehen, Verlag Afrique-Orient) gewann die Marokkanerin Maria Guessous dieses Jahr bereits den Prix Littérature Femme in Casablanca. Alle drei Autorinnen haben ihre Wurzeln und Lebenswelten in unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen. Und dort siedeln sie auch ihre Romane an: Geschichten von sexueller Obsession, Mischungen aus Komik, Thriller und sozialer Fabel, Auseinandersetzungen mit dem Islam und einer Herkunft im Maghreb.
Mit „Quand Adam a décidé de vivre“ steuert Poet, Dozent und Maler Rachid Khaless die tragisch-skurrile Story eines für tot erklärten Soldaten auf der Suche nach einem Rückweg in die Gesellschaft bei. Fünfter Kandidat der Nominierungs-Liste ist der renommierte Essayist und Dichter Najib Redouane – ein in den USA lebender Kanadier marokkanischer Herkunft, dessen Roman von Entwurzelung und Exil erzählt.

Persönlichkeiten der Literaturszene in der Jury

Alle Bücher sind im Zeitraum zwischen Juni 2014 und August 2015 neu erschienen und werden von einer siebenköpfigen Jury bedeutender Persönlichkeiten der Literaturszene beurteilt. Mit der Präsidentschaft wurde erneut die angesehene marokkanische Schriftstellerin Christine Orban betraut. US-Bestsellerautor Douglas Kennedy, der belgische Literaturprofessor Vincent Engel und der franko-kongolesische Schriftsteller Alain Mabanckou sind ebenfalls wieder mit von der Partie. Mit Mohamed Nedali und Réda Dalil gehören der Jury außerdem zwei Autoren an, die selbst mit dem „Prix Littéraire de La Mamounia“ ausgezeichnet wurden. Neu dabei in diesem Jahr ist Karima Yatribi, Literatur-Professorin, Expertin für die frankophone marokkanische Literatur und gefragtes Jury-Mitglied  einer Vielzahl von Literaturpreisen.

Aura von Kunst & Kultur

Der mit umgerechnet 18.000 Euro dotierte „Prix Littéraire de La Mamounia“ verfolgt bereits im sechsten Jahr das Ziel, der zeitgenössischen Literatur Marokkos ein Aufsehen erregendes Forum zu bieten – mit großem Erfolg.
Blick auf das Minarett der Koutoubiya,
(Moschee der Bücher)

Das traditionsreiche Lifestyle-Hotel La Mamounia in der Königsstadt Marrakesch ist einer der großen und engagierten Mäzene von Kunst und Kultur in Marokko. So bietet das Haus seinen Gästen neben einem herausragenden Luxuserlebnis auch ein Ambiente von hohem künstlerischem Anspruch. Dafür stehen Architektur, Design und Kunsthandwerk des Palasthotels genauso wie regelmäßige Ausstellungen weltweit beachteter Künstler. Weitere Informationen zum Hotel: www.mamounia.com


Mittwoch, 22. April 2015

NEUAUFLAGE: ALGERIEN Reiseführer

Algerien Reiseführer
Neuauflage
BIRGIT  AGADA

ALGERIEN - Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara

Algerien ist ein Land mit alter wechselvoller Geschichte, geprägt von den Einflüssen afrikanischer, orientalischer und mediterraner Kulturen, ein Schmelztiegel vieler Völker.
Die lange Mittelmeerküste mit Sandstränden und verträumten Buchten lädt zum Baden ein und lockt mit antiken Ausgrabungen. Algier und Oran sind die beiden Metropolen des Landes, die neben lebendiger Hafenatmosphäre einen Einblick in die reiche Kultur Algeriens bieten. Die Ruinen von Tipaza, Timgad und Djemila entführen in die Zeit der Phönizier und Römer. Im Süden des Landes beeindrucken Oasenlandschaften und die Schönheiten der Sahara jeden Besucher. Bei Expeditionen und Kameltrekking kann man die Kultur der legendären Tuareg und die Faszination der Wüste kennenlernen.

Der soeben in 2., aktualisierter und erweiterter Auflage erschienene Reiseführer aus dem Berliner Trescher Verlag informiert umfassend über die Vergangenheit und die Gegenwart des Landes und gibt einen Einblick in Alltag und Lebensweise seiner Bewohner. Hinweise zur aktuellen politischen
Situation und zur Sicherheitslage im Land helfen bei der Planung und Durchführung einer Algerien-Reise. Die ausführlichen Reiseinformationen führen den Urlauber zu Erholungsorten, den Historiker zu geschichtlich interessanten Plätzen, den Naturliebhaber und Wüstenfreund durch die Weite
der Sahara.

-Alle Regionen zwischen Algier und Tamanrasset
-Die wichtigsten Reiseinformationen im Überblick
-Fundierte Hintergrundinformationen zu Geschichte und Kultur
-Ausführliche Reisetipps von A bis Z
 (Verlagstext)

Autorin:
Birgit Agada leitet seit den 1980er-Jahren Studienreisen in Algerien, Tunesien und Westafrika bis nach Kamerun. Während ihres Aufenthaltes in Südafrika in den 1990er-Jahren lernte die Touristikmanagerin ebenso den Südteil des Kontinents kennen und bereicherte durch Reisen nach Ostafrika (Kenia) ihren Wissensschatz über afrikanische Länder. Algerien und die Saharaländer liegen ihr besonders am Herzen, wobei sie in den letzten Jahren die Maghrebländer, vor allem Algerien, verstärkt bereisen konnte.

Birgit Agada
ALGERIEN-Natur und Kultur zwischen Mittelmeer und Sahara
241 Farbfotos und historische Abbildungen  
21 Stadtpläne und Übersichtskarten, farbige Klappkarten
448 Seiten
2. aktualisierte und erweiterte Auflage 2015
Euro 21,95 Buch kaufen  ab sofort lieferbar


Donnerstag, 16. April 2015

Constantine 2015

Constantine - Stadt der Brücken
Constantine 2015            


Heute beginnen die Feierlichkeiten in der drittgrößten Stadt Algeriens, Constantine, die in diesem Jahr den Titel „Hauptstadt der arabischen Kultur“ trägt.
Die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Arabischen Liga wählte mit Constantine zum zweiten Mal nach Algier 2007 eine Stadt in Algerien.




Hauptstadt der arabischen Kultur mit berberisch numidischen Erbe

Die feierliche Eröffnung findet am Abend mit einem abschließenden Feuerwerk statt. Am morgigen Freitag, den 17. April wird eine Ausstellung mit dem Titel „La royaume numide“ - „Das numidische Königreich“ eröffnet und anschließend das Grabmal des numidischen Berberkönigs Massinissa besucht, was nun gerade nichts mit arabischer Kultur zu tun hat, aber mit algerischer.

Abd el Hamid ibn Badis

Das Eröffnungsdatum am 16. April ist gleichzeitig der „Tag der Wissenschaften“ und erinnert an Abd el Hamid ibn Badis, der 1889 in Constantine geboren wurde und am 16. April 1940 starb.
Schon früh lernte er den Koran auswendig, wie die meisten Kinder, die in eine Koranschule gingen. Ab 1908 setzte er seine Studien in Tunis fort und 1913 kehrte er nach Algerien zurück um im Jahr darauf eine Pilgerreise nach Mekka zu unternehmen.  Dabei lernte er weitere islamische Wissenschaftler kennen, mit denen er ab 1925 eine Zeitung herausgab.
1936 gründete er die „Gesellschaft der Ulema“, der Geistlichen. Er hinterließ politische Werke und prägte die Parole „Algerien ist mein Vaterland, Islam meine Religion und Arabisch meine Sprache“, was erwartungsgemäß den Berbern nicht gefiel. Doch der gemeinsame Widerstand schweißte die Nation zusammen.
Gerade zu dieser Zeit, zwischen 1930 und 1940, begann die französische Kolonialmacht das algerische Volk zu christianisieren und „französisieren“. Ibn Badis war einer der ersten, der gegen die Unaufgeklärtheit und Ignoranz kämpfte und für ein nationales und arabisches Bewusstsein der algerischen Gesellschaft eintrat. Seine Zeitungen wurden mehrmals von den französischen Besatzern verboten.

Kulturelle Veranstaltungen

Im Laufe des Jahres finden weitere Veranstaltungen statt, wie Theateraufführungen, Kinofilme, Ausstellungen, Literaturtage mit einer Hommage an den berühmten algerischen Dichter Malek Haddad, Buchmessen, Universitätskolloquien, Kunst- und Kulturwochen wobei viele andere Regionen wie Tlemcen, Oran, Ghardaia bis Tamanrasset vertreten sind.
Constantine - Hotel Cirta

Gerade rechtzeitig wurde eine neue große Brücke über den Rhumelfluss eröffnet und Hotels und andere Bauwerke renoviert.

Weitere Veranstaltungen und Informationen über das alte Cirta werden auf der Internetseite: 
Constantine 2015 veröffentlicht.

Algerien-Informationen - Reiseinformationen

© Text und Bilder: B.Agada (Weiterverwendung von Text und Bilder nicht erlaubt)




Samstag, 7. Februar 2015

Zum Tod von Assia Djebar

Assia Djebar (Wikipedia)
Assia Djebar - die große algerische Schriftstellerin ist von uns gegangen

Am gestrigen Freitag, 6. Februar 2015 starb Assia Djebar in Paris. Sie gehörte zu den renommiertesten Schriftstellerinnen Algeriens. Als Fatma-Zohra Imalayèn wurde sie am 30. Juni 1936 in der algerischen Hafenstadt Cherchell geboren. Ihre Mutter entstammte einer Berberfamilie. Sie besuchte die Koranschule sowie die französische Grundschule, an der ihr Vater unterrichtete. Nach dem Abitur begann Assia Djebar 1955, als erste algerische Studentin in Paris, das Studium der Geschichte an der École Normale Supérieure de Sèvres, einer französischen Eliteuniversität.

Aus Fatma-Zohra Imalayèn wird Assia Djebar

1956 beteiligte sie sich am Streik algerischer Studenten in Paris aus Solidarität mit dem 1954 begonnenen Freiheitskampf ihrer Heimat. Während dieser Zeit arbeitete sie bereits am Manuskript ihres ersten Buches ›La Soif‹ (Durst), das sie unter dem Pseudonym Assia Djebar veröffentlichte, um ihrer Familie nicht zu schaden. 1958 ging sie mit ihrem ersten Mann, der im Widerstand kämpfte, nach Tunis und schrieb für eine politische Zeitung. Nach der Unabhängigkeit kehrte sie nach Algier zurück und trat eine Lehrtätigkeit für nordafrikanische Geschichte an der Universität an. Sie heiratete 1980 den Schriftstellerkollegen Malek Alloula, mit dem sie nach Paris übersiedelte. Während des „schwarzen Jahrzehnts“ in den 1990er Jahren kehrten sie aus politischen Gründen nicht nach Algerien zurück.

Als erste Frau aus dem Maghreb in die Academie française aufgenommen

Assia Djebar erhielt 2000 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für ihr Gesamtwerk und wurde 2005 als erste Persönlichkeit Nordafrikas in die ›Academie française‹ gewählt. Im selben Jahr wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Osnabrück für Sprach- und Literaturwissenschaft verliehen. Assia Djebar lebte und lehrte in Paris und New York. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete die Historikerin auch als Hochschullehrerin und Regisseurin. Ihre, auf Französisch geschriebenen Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt.

Schicksale von Frauen sind Hauptthemen ihrer Werke


In ihren Romanen beschäftigte sich Assia Djebar mit der algerisch-französischen Geschichte, mit Tradition und Moderne während der französischen Kolonialzeit, vor allem aber mit den Gefühlen, Wünschen und Schicksalen von algerischen Frauen und ihrem Streben nach Freiheit, Emanzipation, Widerstand gegen die patriarchalische Tradition, die sich oft nicht selbst Gehör verschaffen können.
Sie schrieb auf Französisch, bis algerische Kritiker ihr vorwarfen in der „Sprache des Feindes“ zu schreiben und sie sich in den 1970er Jahren dazu entschloss Hocharabisch zu studieren. Zunehmend beschäftigte sie sich, auch in ihren Dokumentarfilmen, mit dem Leben algerisch-berberischer Frauen.

Assia Djebars Bücher sind in Deutschland bekannt

Durch die Übersetzung ihrer Bücher wie „Weißes Algerien“, „Die Frauen von Algier“, „Weit ist mein Gefängnis“ und vielen mehr, die hauptsächlich im Unionsverlag erschienen, wurde sie in Deutschland bekannt. Ihr letztes Werk "Nirgendwo im Haus meines Vaters" (S.Fischer-Verlag) beschreibt ihre Kindheit und Jugend in Nordalgerien, wurde 2007 in Frankreich und 2009 in Deutschland veröffentlicht. Sie starb am 06. Februar 2015 in Paris,  ihr Grab wird in  Cherchell, ihrem Heimatort an der algerischen Mittelmeerküste, sein.

B.Agada