Mittwoch, 12. August 2015

Ibn al-Arabi: Zum 850. Geburtstag des "größten Meisters"

Ibn al-Arabi
(Wikipedia)


Am Freitag, den 7. August jährte sich zum 850. Mal der Geburtstag des „größten Meisters“, des Mystikers Abu Bakr Mohammed ibn Ali al-Arabi al Hatimi at-Tai, besser bekannt als Ibn al-Arabi, der als Ehrentitel Muhdi ad-Din (Lebensspender der Religion) erhielt. Er wurde 1165 in Murcia, in Andalusien geboren, das damals zum Berberreich der Almohaden gehörte. 

Im Mittelalter des 12. Jahrhunderts, besonders in Südspanien und Nordafrika, lebten zu dieser Zeit viele Sufis und Mystiker, in fast jedem Ort. Besonders im heutigen Marokko wird diese „Heiligenverehrung“ durch Feste und Pilgerfahrten gefeiert, die mit den christlichen Wallfahrten vergleichbar sind.

Die mehr als 400 Bücher und Poesie des Ibn al-Arabi prägten die islamische Mystik ebenso wie die christliche. Die türkischen Derwischtraditionen wurden von seinen Erkenntnissen beeinflusst und seine Lehren beschäftigten den Religionsphilosophen Raimundus Lullus aus Mallorca und viele andere. Mit seinen Erkenntnissen bewegte er sich zwischen Mystik und Philosophie. Er wurde als bedeutendster Gelehrter seiner Zeit gesehen.

Ibn al-Arabis Familie wanderte mit der arabischen Ausbreitung aus dem Yemen nach Spanien ein und gehörte zu den Vornehmen in Andalusien. Sie bekleideten hohe Ämter. Als Almohaden im 12. Jahrhundert ihre Herrschaft über den ganzen Maghreb und Spanien ausdehnten und zur kulturellen Blüte brachten, zog die Familie nach Sevilla um, da der Vater eine Stellung in der Verwaltung antrat, wie auch später sein Sohn Abu Bakr Mohammed. Schon sein Vater war mit dem Arzt und Philosophen Ibn Rushd (Averroes) bekannt und einer seiner Onkel war in Algerien ein angesehener Asket, ein zweiter Onkel mütterlicherseits Yahia ibn Thugham war Emir von Tlemcen in Westalgerien. Dieser wurde durch ein Schlüsselerlebnis selbst zu einem angesehenen Sufi. Ibn al-Arabis großes Vorbild war der große Mystiker Abou Madyan aus Bejaia, der als Sidi Boumedienne noch heute in Algerien und weiten Teilen des Maghreb verehrt wird und dessen Moschee und Mausoleum in Tlemcen von vielen Pilgern besucht wird.

Ibn Rushd lernte den jungen Ibn al-Arabi kennen und war von dessen Verstand beeindruckt. Al-Arabi hatte als Kind während einer schweren Krankheit Visionen, die sein Leben prägten und ihn zum Sufismus führten. Er studierte Islamisches Recht, den Koran und seine Auslegungen.
Während seiner Pilgerreise nach Mekka durchquerte er das heutige Marokko, Algerien und Tunesien, die damals zum Almohadenreich gehörten. Weiter besuchte er Alexandria und Kairo bevor er 1201 in Mekka ankam und sich einige Jahre dort niederließ. Im Hause seines persischen Gastgebers traf er auf dessen Tochter, die ihn durch ihre geistige Bildung und Schönheit zur Dichtung von erotischen Versen beflügelte (Übersetzer des Liebesverlangens).
Ibn al-Arabi reiste nach Konya, Mosul, Bagdad und Damaskus, in Mekka hielt er sich mehrere Jahre auf und schrieb 1203 sein Buch „Brief aus der heiligen Stadt“ mit 54 Kapiteln, Biographien wichtiger Persönlichkeiten, die sein Leben beeinflussten. Darunter waren Asketen, Heiler, Seher, Prediger, Mystiker, Gläubige, Mönche, Glaubenskämpfer und Eremiten, Frauen und Männer. Er beschrieb deren Übungen des Schweigens, der Nachtwachen, des Fastens, der Erleuchtung und Ekstase.  

Einen negativen Eindruck hatte er von dem wichtigtuerischen und selbstherrlichen Auftreten der arabischen Sufis. Er erzählt in seinem Buch von einem Sufi, der sich selbst Meister der Meister nannte. Dieser erklärte, dass im Maghreb keiner versucht hätte den mystischen Weg zu Gott zu gehen. Das ärgerte nun Ibn al-Arabi und er klärte ihn über die Stufen der Erleuchtung des Abou Madyan, den „Inbegriff der Heiligkeit“ auf. Über das Jenseits und die Schöpfung der Hölle befragt, musste der arabische Meister kleinlaut zugeben, dass er davon nichts wusste. Das Wissen des Jenseits ist es, dass die Sufis des Westens ausmachte. Auch die Art des Zusammenlebens bei den arabischen Sufis erinnerte Ibn al-Arabi mehr an das der christlichen Wüstenväter und die Ordensregeln waren bei den Christen, Muslimen und Buddhisten etwa gleich. Aber die Sufis des Maghreb gaben ihren Schülern ihre Weisheiten mit auf den Weg und lebten mit ihnen,  verbunden durch das geistige Band und die gegenseitige Liebe zu Gott, so dass sie keine Regeln brauchten. Das Umhängen des Mantels Chirqa war das Zeichen der Aufnahme als Schüler.

Für Ibn al-Arabi kommt das Wissen durch die von Gott herkommende Offenbarung des Propheten Mohammed im Koran, durch Wissen, das durch Vernunft erworben wird und durch den Geschmack und der Farben (d.h. eigene Erfahrungen und Erlebnisse). In seinen philosophischen Schriften beschäftigte er sich mit mystischer Erleuchtung. Für ihn ist Gott das eine Licht, das sich dem Menschen in allen Dingen, in seinem ewigen Atem zeigt.
In seinen Lehren nehmen Frauen einen hohen Rang ein. Ibn al-Arabi war mehrmals verheiratet. In Cordoba waren zwei Frauen unter seinen Lehrern der Mystik. Er glaubte, dass Gott durch das Weibliche eher zu erkennen sei als durch den Mann.
Für die Mystiker seiner Schule wird die Frau zur vollkommensten Manifestation göttlicher Schönheit und Huld. Die Liebe zu Frauen ist gottgegeben, sagte der Prophet Mohammed, und es sind die Mütter und damit die Frauen, die die größte Verehrung und Dank verdienen.

Während seiner Jahre in Damaskus schreibt Ibn al-Arabi seine bedeutendsten Werke „Mekkanische Eröffnungen“ und „Ringsteine der Weisheit“.
Ibn al-Arabi starb 1240, er wird als „der größte Meister“ (al-Shaykh al-Akbar) verehrt, sein Grab in Damaskus ist Pilgerstätte für Mystiker und Sufis aus aller Welt.


Mal ist es eine Wiese, wo weiden Gazellen
Mal ist es ein Kloster mit Mönchen der Christen;
Mal ist es ist ein Tempel der Bilder;
Mal ist es die Kaaba der Pilger;
Mal sind es Tafeln der Thora;
Mal ist es das Buch des Qur'an.

Ich will die Religion der Liebe sehen:
Welchen Weg auch immer die Kamele gehen.
 (Quelle: Sufizentrum Braunschweig)

B.Agada

Sonntag, 2. August 2015

Königsstadt Marrakesch - Zum 6. Mal trifft Lifestyle auf Literatur

Hotel La Mamounia

Am 19. September 2015 wird das legendäre Luxushotel La Mamounia wieder zum Treffpunkt der faszinierenden frankophonen Literatur-Szene Marokkos. Aus fünf aktuell erschienenen Werken wählt die Jury des „Prix Littéraire de La Mamounia“ den Sieger aus. Alle entführen den Leser in den einzigartigen Kultur-Mix, der Marokko und seine Menschen so besonders macht. Kontinente, Länder und Städte begegnen sich in den Romanen in schillernden Geschichten und Figuren. Genauso wie Glaube, Liebe und Hoffnung – die großen Themen der Literatur in allen Teilen der Welt.

Romane mit Tragik, Komik, Poesie

Dieses Jahr sind drei der fünf nominierten Schriftsteller Frauen. Leila Slimani, Tochter einer algerisch-französischen Mutter und eines marokkanischen Vaters, in Rabat geboren, hat ihren ersten Roman „Dans le jardin de l'ogre“ (Im Garten des Menschenfressers) im renommierten Verlagshaus Gallimard in Paris herausgebracht. Imane Robelin ist Franko-Marokkanerin, lebt in Großbritannien und schrieb den Roman „Pour tout l'or de Casablanca“ (Für alles Gold von Casablanca). Mit ihrem neuen Roman „Nous n’irons pas tous au paradis“ (Wir werden nicht alle ins Paradies gehen, Verlag Afrique-Orient) gewann die Marokkanerin Maria Guessous dieses Jahr bereits den Prix Littérature Femme in Casablanca. Alle drei Autorinnen haben ihre Wurzeln und Lebenswelten in unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen. Und dort siedeln sie auch ihre Romane an: Geschichten von sexueller Obsession, Mischungen aus Komik, Thriller und sozialer Fabel, Auseinandersetzungen mit dem Islam und einer Herkunft im Maghreb.
Mit „Quand Adam a décidé de vivre“ steuert Poet, Dozent und Maler Rachid Khaless die tragisch-skurrile Story eines für tot erklärten Soldaten auf der Suche nach einem Rückweg in die Gesellschaft bei. Fünfter Kandidat der Nominierungs-Liste ist der renommierte Essayist und Dichter Najib Redouane – ein in den USA lebender Kanadier marokkanischer Herkunft, dessen Roman von Entwurzelung und Exil erzählt.

Persönlichkeiten der Literaturszene in der Jury

Alle Bücher sind im Zeitraum zwischen Juni 2014 und August 2015 neu erschienen und werden von einer siebenköpfigen Jury bedeutender Persönlichkeiten der Literaturszene beurteilt. Mit der Präsidentschaft wurde erneut die angesehene marokkanische Schriftstellerin Christine Orban betraut. US-Bestsellerautor Douglas Kennedy, der belgische Literaturprofessor Vincent Engel und der franko-kongolesische Schriftsteller Alain Mabanckou sind ebenfalls wieder mit von der Partie. Mit Mohamed Nedali und Réda Dalil gehören der Jury außerdem zwei Autoren an, die selbst mit dem „Prix Littéraire de La Mamounia“ ausgezeichnet wurden. Neu dabei in diesem Jahr ist Karima Yatribi, Literatur-Professorin, Expertin für die frankophone marokkanische Literatur und gefragtes Jury-Mitglied  einer Vielzahl von Literaturpreisen.

Aura von Kunst & Kultur

Der mit umgerechnet 18.000 Euro dotierte „Prix Littéraire de La Mamounia“ verfolgt bereits im sechsten Jahr das Ziel, der zeitgenössischen Literatur Marokkos ein Aufsehen erregendes Forum zu bieten – mit großem Erfolg.
Blick auf das Minarett der Koutoubiya,
(Moschee der Bücher)

Das traditionsreiche Lifestyle-Hotel La Mamounia in der Königsstadt Marrakesch ist einer der großen und engagierten Mäzene von Kunst und Kultur in Marokko. So bietet das Haus seinen Gästen neben einem herausragenden Luxuserlebnis auch ein Ambiente von hohem künstlerischem Anspruch. Dafür stehen Architektur, Design und Kunsthandwerk des Palasthotels genauso wie regelmäßige Ausstellungen weltweit beachteter Künstler. Weitere Informationen zum Hotel: www.mamounia.com