Donnerstag, 28. Juli 2016

Ausstellung: Friedrich Rückert - Der Weltpoet in Erlangen

 Dr. Friedrich Rückert
Es gibt kaum einen Dichter, der sich so, wie Friedrich Rückert (1788-1866), in andere Sprachen hineindenken konnte - und der in der heutigen Zeit so wichtig wäre. „Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“, steht in großen Lettern an der gelbleuchtenden Wand des Stadtmuseums in Erlangen, das zur Zeit den bedeutenden deutschen Orientalisten und Weltpoeten in der Ausstellung „Der Weltpoet“ würdigt. Erster Höhepunkt im laufenden Rückertjahr, war die gestrige Veranstaltung „Der Poet über die Kulturen“ im Brunnensaal des Stadtmuseums.



Orientalische Gedichte und Klänge
Eingeladen hatten Angehörige des Erlanger Lehrstuhls für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft unter der Leitung von Professor Dr. Georges Tamer. Für die musikalische Begleitung sorgte Gilbert Yammine mit seinen harmonischen Klängen, virtuos gespielt auf dem Qanun. Gedichte in Arabisch und Persisch wurden im Original und anschließend in der Übersetzung Rückerts vorgetragen. Prof. Tamer löste Erheiterung beim Publikum aus, als er sagte: „Humor ist sehr nötig im Iran.“, womit er den Humor im persischen Gedicht ankündigte.
Der Abend begann mit Rezitationen von Rückerts Poesie für seine Frau Luise, „Entschuldigung des Persönlichen“, einem Gedicht vom Mai 1848: „Die Freiheit ist ein hohes Wort…“ aus seiner Zeit in Berlin.


Der Weltpoet
Phantasie und Realität des Orientbildes
Prof. Dr. Tamer stellte den Orientalisten Rückert vor und bezog sich auf die Zeit Rückerts in Erlangen. Für ihn ist Friedrich Rückert einer der großen Orientalisten des 19. Jahrhunderts und ein ausgewiesener Kenner der orientalischen Dichtung.
Deutschlands und Europas Dichter und Denker waren von einer „Konzentration auf den Orient“ erfasst, die sich mit eigenen Fantasien vermengten und den Orient als exotisch, zauberhaft, fantastisch, heroisch und mystisch deuteten, aber zugleich die Realität verfehlten. Mit der Annahme, dass die „Urmythologie aus dem Orient“ stammt, stimmte auch Rückert mit seinen zwei Dramen „Die Türkin“ und „Der Scheintod“ in das allgemeine Orientbild der damaligen Zeit ein. Doch je mehr er sich mit den orientalischen Sprachen beschäftigte, umso ernsthafter wurde der Respekt vor dem Orient. Rückert spricht nun von Tapferkeit, Klugheit, Gerechtigkeit und betont die Gerechtigkeit, Weisheit und das Menschliche der Bewohner des Orients.


Friedrich Rückert überträgt persische Poesie
Durch die Übertragung persischer Poesie lernt er den Mystiker und Sufi Mewlana Dschalalluddin Rumi und seine Gedichtform, die Ghaselen kennen und wird dadurch zu eigenen Ghaselen inspiriert. Er kam zu dem Schluss, dass man in den „Muslimen nicht den Andersgläubigen, sondern den Menschen sehen“ soll. 1817 las man aus Angst vor der Religion auch andere Gedichte über den Islam. Rückerts Beschäftigung mit der Poesie stellt für ihn die Voraussetzung für Völkerverständigung dar, „die Seelensprache eines Volkes ist die Poesie.“

Sprachgenie Rückert
Rückert war der einzige, der die orientalischen Sprachen wirklich lernte. Von 1820 bis 1826 beschäftigte er sich mit einer poetischen Koranübersetzung. Friedrich Rückert war ein gelehrter Dichter und wurde in Erlangen ein dichtender Gelehrter. „Der Poet war ein besserer Wissenschaftler..“ resümierte Prof. Dr. Tamer zum Abschluss über Rückert als Orientalist.

Rezitationen
Im Anschluss wurden ausgesuchte Gedichte aus der vor- und frühislamischen Zeit in Arabisch, Persisch und ein persisches Gedicht Rumis interpretiert. Die Vortragenden legten ihre Gefühle in die Zeilen über die Liebe und die Seele, wie es nur Muttersprachler vermitteln können. Voll Inbrunst trägt Dr. Salah Ati Fakhry (Irak) die arabischen Originale vor, die von den begleitenden Qanunklängen getragen wurden - ein Genuss für die Zuhörer des wundervollen, etwas zu kurzen Abends.

Friedrich Rückert - Leben
Dr. Friedrich Rückert wurde 1788 in Schweinfurt geboren. Mit seiner Frau Luise und zehn Kindern lebte er von 1826 bis 1841 in Erlangen und lehrte Orientalistik als ordentlicher Professor an der Universität. Von 1841 bis 1848 lehrte er in Berlin, aber 1849 bittet er um Pensionierung und kehrt nach Franken zurück. Bis zu seinem Tode 1866 lebte und arbeitete Rückert in Neuses.
Keiner seiner Dichterkollegen oder Gelehrten seiner Zeit übertrugen Poesie und Texte aus 44 Sprachen, darunter so schwierige wie Arabisch, Persisch, Berbersprachen, Sanskrit oder Chinesisch. Er lebte in Zeiten des Umbruchs, doch er war ein offener Mensch und anderen Kulturen zugetan.
Zu seinem 150. Todestag hat die Rückert-Gesellschaft in Schweinfurt das Rückert-Jahr ausgerufen.


Im Stadtmuseum Erlangen
Weitere Veranstaltungen im Stadtmuseum:
Sonntag, 9. Oktober
Rückert in Erlangen - Rückerts Erlangen
Kalligraphie, Poesie, Musik, Mitmachaktionen und Führungen für jedes Alter bei diesem Museumsfest.
11 - 18 Uhr

Donnerstag, 20. Oktober
 „Was noch zu veröffentlichen bleibt - Materialien aus Rückerts Nachlass“
Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Bobzin
19 Uhr

Dienstag, 8. November
„Weltpoesie ins Weltversöhnung“: Friedrich Rückert aus (indo)germanistischer, orientwissenschaftlicher und musikwissenschaftlicher Sicht. (Symposion)
Mit Beiträgen der Professoren Georges Tamer, Lutz Edzard, Gunnar Och, Konrad Klek und Stefan Schaffner.


Stadtmuseum Erlangen
Ausstellung: Der Weltpoet. Friedrich Rückert (1788-1866)
Martin-Luther-Platz 9
91054 Erlangen

Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag, Feiertage  11 - 17 Uhr
Dienstag - Freitag  9 - 17 Uhr,  Donnerstag bis 20 Uhr



Copyright: Bilder: B. Agada, Verwendung nicht gestattet !